Seit der Sperrung der Straße von Hormus schob ein Sondereffekt die Chemiewirtschaft an: Im zweiten Quartal stieg die Produktion im Sektor um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im selben Zeitraum zogen auch die Preise um 5,7 Prozent an, sodass der Umsatz insgesamt um 7,3 Prozent zulegen konnte. Es war der erste deutliche Umsatzanstieg seit mehr als drei Jahren.
Ganz offensichtlich profitierte der Standort davon, dass mit der Hormus-Sperrung vor allen Dingen die asiatische Konkurrenz, die zum überwiegenden Teil von Lieferungen petrochemischer Produkte aus der Region abhängig ist, buchstäblich kaltgestellt wurde. Der kurzfristige Anstieg war damit jedoch kein Ausdruck einer echten wirtschaftlichen Erholung, sondern die Folge eines Sondereffekts auf den internationalen Märkten. Die zeitweise geschwächte Konkurrenz verschaffte deutschen Produzenten Luft, änderte aber nichts an der real weiterhin dramatischen Lage der Branche.
Der Hormus-Effekt schafft weder eine neue dauerhafte Nachfrage nach Leistungen der chemischen Industrie in Europa oder Deutschland noch senkt er die hohen Energie- und Standortkosten der Hersteller vor Ort. Normalisiert sich die Lage im Iran, dürfte auch der kurzfristige Preis- und Absatzvorteil der deutschen Chemie wieder verschwinden.
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