„Ich hätte es mir auch leicht machen können und eine emotionale Rede halten können“, sagt Sven Schulze, Spitzenkandidat der CDU in Sachsen-Anhalt. Sich etwas leicht zu machen, so etwas darf bei der CDU natürlich nicht sein, folgerichtig bleibt die Rede ausschließlich spröde und langweilig. Ihr gelingt aber ein ganz besonderes Kunststück: die einzige Frage, die von Interesse wäre, einfach überhaupt nicht zu thematisieren – nämlich die AfD.
Zuvor hatte ein Foto für Wirbel gesorgt. Obwohl der Kanzler die AfD noch in dieser Woche in die Traditionslinie des Holocaust gestellt hat, kuschelt CDU-Fraktionschef Guido Heuer mit Ulrich Siegmund. So sieht es jedenfalls auf einem Foto aus, das die Ostdeutsche Allgemeine veröffentlicht hat. Oder wie Heuer es nennt: „Konfrontation, keine Verbrüderung“. Das Foto zeigt, wie sich Heuer zu Siegmund neigt und ihm die Hand auf die Schulter legt, während dieser lacht. Es wirkt herzlich und wird kurzzeitig schon als emotionaler Versuch gewertet, die Brandmauer einzureißen.
Es folgt die erwartbare Distanzierungsmaschine, gut geölt und rituell eingeübt. Aber wie distanziert man sich von einem Bild? Oder von seiner eigenen Hand? Die CDU möchte nun jedenfalls vermitteln, das Foto würde quasi gar nicht existieren. Heuer habe Siegmund das Mikrofon entreißen wollen, da dieser gerade eine Falschinformation verbreitet habe. Eine klare Konfrontation soll es gewesen sein. Vielleicht wollte Heuer sich an Siegmund herankuscheln, nur um dann noch effizienter im Nahkampf aus dem Hinterhalt angreifen zu können? Ricarda Lang twittert: „Bei mir sehen Konfrontationen auch immer so aus, als würden wir gerade zusammen angetrunken in einer Karaoke-Bar ‚Marmor, Stein und Eisen bricht‘ singen.“Der CDU-Landesverband lässt wissen: „Das Foto ist entstanden, weil es nur zwei Mikrofone gab und ich bei einer Falschaussage von Herrn Siegmund intervenieren musste. Ich habe Herrn Siegmund das Mikrofon aus der Hand genommen, und dabei ist diese unglückliche Aufnahme entstanden. Das war allerdings keine Kumpelei, sondern politische Konfrontation. Das Wort ‚Brandmauer‘ habe ich noch nie genutzt. Für mich gilt der Fraktionsbeschluss: ‚Abgrenzen, aber nicht ausgrenzen‘.“
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