Es gibt Politiker, denen die Begegnung mit Bürgern sichtbar guttut. Nun, Friedrich Merz gehört nicht dazu. Sobald ihm Menschen gegenüber sitzen, die ihm aus ihrem Leben erzählen und dabei seiner Politik widersprechen, dauert es nicht lange, bis der Bundeskanzler doziert, sie schroff zurechtweist und pampig wird.
Am Donnerstagabend bei RTL lieferte Merz dafür ein neues Beispiel. In der Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“ von Pinar Atalay saß ihm die Kinderärztin Maria Bea Merscher gegenüber: 39 Jahre alt, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie schilderte ihre Sorge um die medizinische Versorgung und griff die Sparpolitik der Bundesregierung im Gesundheitswesen scharf an.
Merz schleuderte ihr angespannt bis an seine Haarpüschelspitzen entgegen: „Sie sind Nutznießerin dieses Gesundheitssystems. Sie könnten ohne dieses System nicht leben.“ Ausgerechnet einer Kinderärztin will ein Blindgänger auf dem Posten des Bundeskanzlers damit erklären, sie sei Begünstigte eines Apparates, dessen Leistungen sie selbst erbringt, so, als gewähre der Staat ihr eine Wohltat. Kann es sein, dass ein Merz ohne diese Frau und ihresgleichen nicht leben kann?
Auch Oliver Bernt spricht Merz genau auf jene Dünnhäutigkeit an, die den ganzen Abend prägt. Der Familienvater sagt dem Kanzler, er reagiere „sehr sensibel“ und fühle sich „leicht angegriffen“, sobald Kritik komme, die er dann sofort zurückspiele. Merz bestätigt den Vorwurf fast im selben Moment, indem er Bernts Kritik an der Familienpolitik als „ein bisschen zu hart“ zurückweist. Ihm fehlt jede Souveränität, Widerspruch stehenzulassen, ohne daraus eine Frage des Benehmens seines Gegenübers zu machen.
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