Geschichte wird in den Metropolen geschrieben – aber oft in der Provinz gemacht. In Plauen, damals eine Stadt mit 75.000 Einwohnern, fand am 7. Oktober 1989 die erste Großdemonstration der Friedlichen Revolution statt, die von den DDR-Sicherheitskräften nicht mehr aufgelöst werden konnte. Rund 15.000, vielleicht 20.000 Menschen gingen auf die Straße. Es war der Kipp-Punkt. Berlin kam dann später, und die Berliner Machthaber hatten es nicht kommen sehen und nicht glauben wollen.
Ist das kleine, verarmte Sachsen-Anhalt der Kipp-Punkt, der erstmals einen AfD-Kandidaten zum Ministerpräsidenten macht und dann weitere Dominosteine umfallen lässt; Mecklenburg-Vorpommern, vielleicht sogar das linksversiffte Berlin und dann den Westen?
Wir wissen es nicht. Umfrageinstitute schweigen sich aus und zählen brav die Antworten zusammen, die ihnen angeblich repräsentative Befragte geben – die längst nicht mehr glauben, dass ihre Antworten anonym bleiben. Wenn ein AfD-Spitzenkandidat zur vierten Ausfahrt mit den legendären Simson-Mopeds der DDR lädt, dann ist das ein Volksfest. Die Festhalle der CDU für den Auftritt ihres Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten Schulze ist dagegen so gesittet wie dünn besetzt. Der SPD-Vorsitzende und Bundesfinanzminister, der mächtige Lars Klingbeil, tritt nur in einem Saal auf, der klein genug ist für den mächtigen Mann von gestern ohne Gefolgschaft heute. Im Osten ist die AfD Volks- und die SPD Schrumpfpartei. Die Grünen? Eine seltsam skurrile Veranstaltung, eine im August verspätet auftretende Karnevalssitzung vor leeren Räumen und mit Witzen von vorgestern.
Und wer wird die Wahl gewinnen? Das Rennen ist offen. Ulrich Siegmund ist strahlend, schlagfertig, eine Art Kennedy aus Tangermünde.
Parteipressekonferenz der Linken mit Vorsitzenden Luigi Pantisano














