An der Erbschaftsteuer scheiden sich die Geister. Für die einen ist sie Ausdruck eines ideologischen Kampfes des Staates gegen den Vermögensaufbau von Familien und ihre Generationenplanung. Für die anderen gilt sie als Instrument fiskalischer Gerechtigkeit, mit dem vermeintlich leistungsloses Einkommen besteuert werden soll, sobald es an die nächste Generation übertragen wird. Eine beliebte Forderung der politischen Linken, die in ihrem Ringen um parlamentarische Mehrheiten zunehmend auf Steuern wie die Erbschaft- oder Vermögensteuer setzt.
Dass inzwischen selbst bürgerliche Parteien wie die CDU eine Ausweitung der Erbschaftsteuer auf Firmenvermögen fordern, ist fatal. Denn die Debatte erweckt den Eindruck, Vermögende horteten ihr Geld im Stile von Dagobert Duck – jederzeit liquide und für den Staat verfügbar. Dass ein Großteil dieses Familienvermögens in Unternehmen und andere Investitionen gebunden ist, wird schlicht übergangen.
Verständlich, dass vor allem Unternehmer und Unternehmerfamilien Substanzsteuern wie der Erbschaftsteuer kritisch gegenüberstehen. Schließlich müssen sie bereits mehrfach besteuertes Kapital aus ihren Unternehmen und langfristigen Planungen herauslösen, um den wachsenden Finanzbedarf des Staates, seiner Bürokratie und seiner Parteien zu decken.
Umso bemerkenswerter ist, dass sich ausgerechnet in einer Zeit wachsender Staatsverschuldung und immer neuer Rekordsteuereinnahmen mehr als 90 Unternehmer dazu entschlossen haben, in einem offenen Brief an Bundeskanzler Merz, CSU-Chef Markus Söder und die SPD-Vorsitzenden Bas und Klingbeil eine höhere Erbschaftsteuer für große Vermögen zu fordern.
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