Der Vorspann wird immer zackiger – als wolle Sarah Tacke in ihrer letzten Sendung nochmal alles geben, um nur ja einen dauerhaften Sendeplatz zu bekommen. Schnelle Schnitte, kurze knappe Aufsager in der Mittagssonne und im Abendlicht. Mit Menschen im Café und auf der Straße, dann wieder allein, nachdenklich, fordernd. Und immer schön in Bewegung bleiben. Sarah Tacke geht hier lang, da lang, dort lang, sie jagt die Kamera geradezu. Bis hinein ins Studio, mit wehenden Haaren.
Es ist die letzte Ausgabe ihres vierteiligen Probelaufs. Nächsten Donnerstag ist auf dem Sendeplatz wieder die grundgelangweilte Maybrit Illner am Start, der man bei jedem Satz anmerkt, dass ihr alles, aber auch wirklich alles, ganz prinzipiell am Allerwertesten vorbeigeht. Die jede Sendung so professionell-lethargisch durchzieht, als sei sie noch immer Nachrichtensprecherin des DDR-Fernsehens.
Hier die dynamische Tacke, dort die saturierte, satte Illner – größer könnte der Kontrast kaum sein.
Für ihren Schlussakkord gibt Tacke alles. Und holt sich die schrillste Linkenpolitikerin an die Seite, die man sich vorstellen kann. Katja Kipping war bis 2021 Co-Chefin der ehemaligen Mauerschützenpartei SED/Die Linke und ist mittlerweile Geschäftsführerin des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Nun könnte man meinen, da müsste sie vielleicht einer normalen, geregelten Arbeit nachgehen. Doch weit gefehlt. Der Abend bei Sarah Tacke führt den Beweis: Auch in ihrer neuen Rolle kommt Kipping mit Ideologie und Realitätsverweigerung noch immer ganz gut vom Hof. Echte Fakten – das reale (Arbeits-)Leben gar – spielen keine Rolle. Seine Welt biegt man sich in linken Kreisen solange zurecht, bis es passt. Egal, ob in der Partei oder beim Paritätischen.
Es geht heute Abend ums Bürgergeld, das jetzt Grundsicherung heißt und das angeblich alles neu und alles anders und alles besser machen soll. „Das ist für viele eine der ganz großen Gerechtigkeitsfragen“, hechelt Sarah Tacke in die Kamera, während sie durch Berlin läuft. Ab ins Studio, und los geht’s.
Katja Kipping winkt sofort ab. Die Grundsicherung sei garantiert „nicht das Mittel, um Menschen in Arbeit zu bringen“. Auch wenn die Politik das behaupte. Die ehemalige SED/Linke-Politikerin bleibt auch in ihrer Verbandsrolle eine scharfe Verteidigerin des alten Bürgergeld-Systems. Sie warnt vor Armutsspiralen, Psychosen und Pauschalisierungen.
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