Es ist das neueste Gerücht, und es bestätigt ältere Vermutungen. Die Hackergruppe Jabaroot – vielleicht auch ein einzelner Whistleblower – habe das „größte Datenleck im marokkanischen Geheimdienst“ im Nachgang der Ceuta-Krise verursacht, heißt es in der spanischen Presse. Daten zu 70.381 Mitgliedern des marokkanischen Inlandsgeheimdienstes und der nationalen Polizei wurden demnach gehackt, darunter seien Sozialversicherungsunterlagen und Gerichtsakten.
Die gehackten Daten zeigen laut Jabaroot, dass der Sturm auf Ceuta von der Umgebung des Königs Mohammed VI. akribisch geplant worden sei. Bereits veröffentlicht wurden Auszüge aus Einsatzbefehlen an marokkanische Agenten zur Reise nach Fnidaq (Castillejos), kurz vor dem Sturm vom 30. Juli. Die bisher anekdotische Evidenz von marokkanischen Beamten, die die Invasoren zum Hinüberschwimmen nach Ceuta ermunterten, würde so durch Dokumente von höchster Stelle bestätigt.
Aber mehr noch: Jabaroot droht damit, die Namen aller Agenten des marokkanischen Inlandsgeheimdienstes und die vollständigen Befehlsschreiben zu veröffentlichen, wenn die durch Ceuta ausgelöste diplomatische Krise mit Spanien nicht so gelöst werde, wie die Gruppe es fordert. Darüber berichten seit Tagen alle spanischsprachigen Medien. In Deutschland: Schweigen im Walde. Man hat ja genug mit dem Hackerangriff auf die Berliner Behörden zu tun, bei dem die Pleite-Stadt gerade um zwei Millionen Euro Lösegeld angegangen wird.
Auf einem Telegram-Kanal hat die Gruppe bereits die Namen und Geburtsdaten von etwa zwanzig Mitarbeitern des marokkanischen Inlandsgeheimdienstes veröffentlicht, um zu zeigen, dass sie es ernst meint. Ehemalige Mitarbeiter der marokkanischen Geheimdienste konnten einen Teil der Daten als echt bestätigen, manches soll aber veraltet sein, heißt es daneben.
Die Hackeroperationen in Marokko ist ein starkes Stück. Die Dienste des Landes stehen definitiv unter Druck. Die Hackerentität nennt ihre Aktion ein „Geschenk an Europa, vor allem an Spanien“, was gut mit einem algerischen Ursprung zusammenpassen würde. Aber beherrschen die Algerier solche digitalen Operationen? Oder steckt einer der größeren Verbündeten des Landes dahinter? Man könnte an Russland oder China denken, die deutlich mehr Erfahrung auf dem Feld haben.
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