Vor rund 60 Jahren hatten Physiker und Reaktortechniker in der damaligen Kernforschungsanlage Jülich (KFA) eine geniale Idee. Sie wollten bei der Nutzung der Energie eines Hochtemperaturreaktors, einer Entwicklung der KFA, die gleich nebenan realisiert worden war („Kugelhaufenreaktor“) einen kompletten Prozessschritt einsparen, um die Investitionen zu senken und um den Wirkungsgrad deutlich zu erhöhen. Bis weit in die 80er Jahre hinein arbeiteten sie an der Umsetzung. Dann passierte der Unfall im damals sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl und die Reaktorentwicklung in Deutschland wurde abrupt gestoppt.
Jetzt hat China die Technik wiederbelebt. Vor drei Jahren schon gingen dort zwei Kugelhaufenreaktoren nach Jülicher Vorbild in Betrieb. Jetzt haben die dortigen Forscher auch das Sparmodell der KFA aufgegriffen und mit dem Probebetrieb einer kleinen Heliumturbine (2,2 Megawatt/MW) begonnen. Eine größere Version soll die Wärmeenergie künftiger chinesischer Kugelhaufenreaktoren in elektrische Energie umwandeln.
Hochtemperaturreaktoren dieser Art werden mit dem Edelgas Helium „gekühlt“. Dieser ein bisschen irritierende Begriff besagt, dass Helium die Wärme aus dem Reaktorkern entfernt, die durch die Spaltung von Uranatomkernen entsteht. Dadurch wird der Kern tatsächlich gekühlt sodass er nicht ständig heißer wird, was für die Sicherheit wichtig ist. Der Abtransport der Wärme ist allerdings wirtschaftlich interessant, weil sie zur Stromerzeugung genutzt werden kann.
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