Die Sensationsnachricht der Woche: Der Chef des Bundesnachrichtendienstes wird selbst unter Spionageverdacht verhaftet. Medien sind praktischerweise gleich im Morgengrauen zur Stelle, nehmen die Verhaftungsaktion auf und wissen auch um die angeblichen Schuldensituation bestens Bescheid. Doch es gibt vieles, was misstrauisch machen muss.
Der 80-jährige August Hanning sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs hat den Haftbefehl am 7. Oktober in Vollzug gesetzt. Sein früherer Mitarbeiter Manfred D. war bereits am Dienstag in Untersuchungshaft gekommen. Hanning soll, das wird ihm vorgeworfen, über Jahre interne Unterlagen aus dem BND erhalten und für private Geschäfte genutzt haben.
Der ehemalige Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen stellt Fragen zum Geheimschutz, zur Verhältnismäßigkeit der Haft und zur medialen Vorverurteilung. Tichys Einblick hat mit ihm gesprochen. Maaßens Vorwurf lautet: Hier werde ein Beschuldigter vorschnell öffentlich an den Pranger gestellt. Eine Unschuldsvermutung gilt schon längst nicht mehr.
Die Verteidigung bestätigte inzwischen den Besitz vertraulicher Unterlagen, bestreitet aber deren Weitergabe zum Nachteil Deutschlands. Rechtsanwalt Leon Kruse erklärte am Mittwoch, Hanning habe solche Informationen nicht weitergegeben.
Leitantrag „Unser Plan für Deutschland“ mit Franziska Brantner und Felix Banaszak (beide B’90/Grüne)











