„Wir stehen hier, am Ort der Bücherverbrennung“, tönt Matthias Miersch auf dem Bebel-Platz in Berlin-Mitte. Seine SPD-Fraktion hat gerade einen Marsch durch das Brandenburger Tor veranstaltet, um ein Zeichen gegen eine demokratische Wahl zu setzen. Nämlich die des ersten AfD-Landtagspräsidenten. Ein ganz „spontaner“ Aufmarsch der Betroffenheit soll es sein, so verbreiten es auch geneigte Medien. Die nicht ganz so spontan wirkenden Pappschilder im Partei-Design lassen daran Zweifel aufkommen. „Aufstehen, laut sein, Demokratie verteidigen“ oder „Faschismus gehört in die Vergangenheit. Nicht in die Zukunft Sachsen-Anhalts“ steht dort weiß auf rot – die Sprüche so leer, pseudo-historisierend und peinlich wie die ganze Veranstaltung.
Das Ganze wird natürlich pathetisch inszeniert. Bundestagsabgeordnete wie Derya Türk-Nachbaur oder Frauke Heiligenstadt tragen demonstrativ ein Grundgesetz vor sich her, die Kamera fängt das genau ein. So gut war Widerstand gegen den Faschismus noch nie in Szene gesetzt.
Es sind die gleichen leeren Floskeln auf kitschige Papp-Plakate geschrieben, wie man sie von den ganzen müden „Gegen Rechts“-Demos der Berliner Innenstadt-Schickeria schon kennt. Dabei geht es vor allem um Selbstvergewisserung. Selbstinszenierung. Selbstbeweihräucherung.
Dazu ruft intern, so rekonstruiert es der Stern, Boris Pistorius auf. Der SPD-Fraktion ruft er den berühmten Satz des deutschjüdischen Künstlers Max Liebermann zu: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte“. Und fordert die Genossen auf: „Lasst uns zum Ort der Bücherverbrennung gehen!“
Es ist das Ende eines Tages, der einerseits historisch und andererseits brutal geschichtslos ist. Ein Tiefpunkt jagt an diesem Tag den anderen. Nicht bei der AfD, die sich an diesem Tag weitgehend würdig und staatstragend verhält. Aber bei den linken Parteien, insbesondere der SPD.
SACHSEN-ANHALT: Suche nach den Verrätern – In der CDU steigt nach AfD-Coup der Druck massiv | LIVE











