„Glauben, dass Europa das Feuer neu entfachen kann“: Rubios historische Rede zum Westen im Wortlaut

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„Glauben, dass Europa das Feuer neu entfachen kann“: Rubios historische Rede zum Westen im Wortlaut
Bildquelle: Apollo News

Überall auf der Welt gibt es große Ruinen. In vielen Fällen sind es Orte, an denen die Geschichte gleichsam an ihr Ende gelangt zu sein scheint: Überreste ferner Kulturen, die längst aus dem lebendigen Gedächtnis verschwunden sind. Doch die Akropolis ist anders.

Seit Jahrtausenden fesselt die Zivilisation, die das errichtete, was hinter mir steht, die Vorstellungskraft der westlichen Welt. Generationen unserer Staatsmänner, Künstler und Philosophen haben auf sie geblickt – voller Staunen und Ehrfurcht. Die Zeit hat die Neigung, unsere Wahrnehmung abzustumpfen. Große Siege und katastrophale Niederlagen schrumpfen irgendwann zu einer Fußnote in einem Schulbuch zusammen, zu einer weiteren Tatsache, die unsere Kinder auswendig lernen und wieder vergessen. Doch die Griechen der Antike scheinen unser Gedächtnis auf beinahe mystische Weise in ihrem Bann zu halten. Immer wieder rufen sie uns zu sich zurück.

Im Jahr 480 vor Christus erreichten die Heere des Xerxes diese Stadt und setzten ihre Heiligtümer in Brand. Die meisten Athener waren zu diesem Zeitpunkt bereits mit Schiffen auf eine nahe gelegene Insel evakuiert worden. Doch eine Handvoll von ihnen weigerte sich, ihre Heimat zu verlassen. Stattdessen verschanzten sie sich in der Felsenfestung der Akropolis und leisteten einen außergewöhnlichen letzten Widerstand. Sie schleuderten gewaltige Steine die Klippen hinab auf die persischen Angreifer und hielten das mächtigste Reich ihrer Zeit tagelang auf. Schließlich wurden sie überwältigt. Die Perser plünderten die Tempel, verbrannten die Heiligtümer und machten die Akropolis dem Erdboden gleich. Doch als die Athener zurückkehrten, sammelten sie die zerbrochenen Überreste der alten Akropolis ein und begruben sie in dem Hügel, auf dem sie gestanden hatte. Jahrzehnte später errichteten sie unter Perikles den Parthenon.

Seit 25 Jahrhunderten steht der Parthenon nun dort. Reiche sind in seinem Schatten aufgestiegen und untergegangen. Und die Nachkommen der Männer, die ihn erbauten – die Söhne Athens und Roms –, haben ihre Zivilisation bis an die Enden der Erde getragen. Zweieinhalb Jahrhunderte nach der Gründung der amerikanischen Republik und eine halbe Welt von dem Ort entfernt, an dem sie entstand, stehe ich heute hier als Außenminister dieser Republik und als Urenkel von Siedlern, die aus Spanien in die Neue Welt kamen. Ich stehe hier, um Zeugnis von einer Schuld abzulegen, die weder der Lauf der Zeit noch räumliche Entfernung jemals auslöschen können.

Die Geschichte Amerikas, die Geschichte meines Landes, trägt überall die Fingerabdrücke der Antike. Griechenland ist buchstäblich in die Architektur unserer Regierung eingemeißelt: in die hoch aufragenden Säulen, die Kuppeln und die Monumente unserer Hauptstadt. Selbst die Stadt, in der unsere Verfassung geboren wurde – Philadelphia –, trägt einen griechischen Namen. Die Männer, die mein Land gründeten, waren fasziniert von dem Erbe, das wir von Ihrem Land übernommen hatten. Sie waren außerordentlich belesen in Geschichte und sich ihres einzigartigen Platzes in ihr sehr bewusst. Doch keine andere Epoche der Vergangenheit fesselte ihre Aufmerksamkeit und ihre Vorstellungskraft so sehr wie die Antike.

Viele Menschen sind überrascht zu erfahren, dass der in den Federalist Papers am häufigsten zitierte Autor kein Philosoph der Aufklärung und kein politischer Theoretiker war. Der meistzitierte Autor war Plutarch, der griechische Biograf der großen Männer Griechenlands und Roms. Über den Einfluss des antiken Griechenlands auf das Denken der amerikanischen Gründerväter ist viel geschrieben und gesagt worden – ebenso wie über seinen Einfluss auf all die westlichen Philosophen und Staatsmänner, die ihnen vorausgingen. Die Grundzüge dieser Geschichte kennen die meisten von uns: Athen gab uns die Demokratie. Platon und Aristoteles gaben uns die westliche Philosophie. Unsere Vorstellungen von Recht, Tugend, Bürgersinn und republikanischer Regierung wurden in den griechischen Stadtstaaten geprägt. Selbst ein großer Teil unseres politischen Wortschatzes – Wörter wie Demokratie, Tyrannei oder überhaupt das Wort „Politik“ – hat hier seinen Ursprung.

All das ist wahr. Doch was wir diesem Ort als Amerikaner und als Menschen des Westens verdanken, reicht noch viel tiefer. Diese Institutionen und Ideen waren der äußere Ausdruck grundlegenderer Eigenschaften, die wir bei den alten Griechen finden – Eigenschaften, die sich nicht auf ein bestimmtes politisches System oder eine bestimmte Theorie reduzieren lassen. Hier in Athen finden wir erstmals die vollständige Ausprägung all jener wesentlichen Eigenschaften, die später den Westen bestimmen sollten: ausgeprägte Individualität und unermüdlicher Ehrgeiz; kühne Entdeckungsfahrten und Erfindungsgeist; die Sehnsucht nach Entdeckung, Abenteuer, Risiko und Ruhm; eine unstillbare Neugier auf die Welt und auf die Prinzipien, nach denen sie funktioniert; den Hunger, die Geheimnisse der Natur zu erkennen und die Geheimnisse des Kosmos zu ergründen. Eine Ungeduld gegenüber der Vorstellung des Unmöglichen, das Aufbegehren gegen alle Grenzen und Beschränkungen, der Drang, in die Tiefen des Unbekannten vorzudringen.

Das waren nicht lediglich Lehrsätze oder Regeln einer bestimmten philosophischen Schule. Es waren Eigenschaften eines Volkes. Sie fanden Ausdruck in seinen Traditionen, seinen Geschichten und seiner Vorstellungskraft; in den Eigenschaften, die es von seinen Bürgern verlangte; in den Dingen, für die seine Menschen lebten, kämpften und starben. Sie zu kennen heißt, uns selbst zu kennen.

Was hier an diesem Ort erblühte, war der westliche Wunsch, all das ans Licht zu bringen, was Unwissenheit, Dunkelheit und Entfernung dem menschlichen Geist verborgen gehalten hatten. Die Griechen prägten nicht nur die Geschichte. Die Griechen gaben uns die Geschichte selbst. Vieles von dem, was wir heute über zahlreiche antike Zivilisationen wissen, stammt nahezu ausschließlich aus den Aufzeichnungen griechischer Entdecker und Historiker – von Entdeckern und Historikern, die nicht nur die Geschichte ihres eigenen Volkes festhielten, sondern hinauszogen, um die Geschichten fremder Völker und Kulturen überall auf der Welt zu beobachten und aufzuzeichnen. Während andere nach innen blickten, waren die Griechen die Ersten, die ihren Blick nach außen richteten, getrieben von der Faszination und dem Ruhm, all das zu sehen, was fremd und neu war. Diese Eigenschaft sollte den Westen dazu antreiben, Dinge zu erschaffen und zu errichten, die andere nicht erschaffen konnten. Sie unterschied uns von so vielen anderen Kulturen und Zivilisationen, für die Stabilität und bloße Existenzsicherung die höchsten Ziele des Lebens waren.

Doch von den Griechen haben wir nicht nur den Ehrgeiz geerbt, das Unbekannte zu erforschen. Wir haben auch die Überzeugung von ihnen geerbt, dass das Unbekannte erkannt werden kann: das Vertrauen darauf, dass die Welt vermessen, kartiert, erfasst und verstanden werden kann und dass dem Kosmos eine rationale Ordnung zugrunde liegt, die von bestimmten grundlegenden Gesetzen beherrscht wird – Gesetzen, die der Mensch beobachten und der menschliche Geist verstehen kann.

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