Noch vor knapp drei Wochen jubelte Elif Eralp als Spitzenkandidatin auf der Wahlparty der Linken in Berlin-Kreuzberg auf der Bühne, als das Ergebnis der Abgeordnetenhauswahl auf den großen Bildschirmen gezeigt wurde. „Ich will Regierende Bürgermeisterin für Berlin werden, damit die Menschen in unserer Stadt wieder ein besseres Leben haben. Vor allem die Menschen, die jeden Tag hier unsere Stadt mit am Laufen halten“, sagte die damals siegessichere Eralp.
Tatsächlich gab es guten Grund für ihren Optimismus: Mit 25,7 Prozent der Stimmen wurden Eralp und die Linke mit Abstand stärkste Kraft im neuen Abgeordnetenhaus. Ein von Eralp geführter Senat galt als Formsache – nur die Grünen und die SPD mussten als Koalitionspartner noch ins Boot geholt werden. Beide Parteien, in Berlin eher linksdogmatisch als realpolitisch eingestellt, signalisierten unter Vorbehalt bereits grünes Licht.
Allein beim in Sachen Antisemitismus und Clankriminalität sollte die Linke etwas einlekn, um Sondierungen zu ermöglichen. So nah war die Linke der Macht lange nicht mehr. Noch vor zwei Jahren, als die Partei laut bundesweiten Umfragen teilweise an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern drohte, wäre dieses Szenario undenkbar gewesen. Die plötzliche Machtoption ist somit auch ein kleines politisches Wunder.
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