Wer Deutschland und die deutsche Politik verstehen will, muss heute Bahn fahren. „Alle reden vom Wetter! Wir nicht“ – mit diesem Slogan machte vor fünfzig Jahren die Deutsche Bahn Werbung: Deutsche Pünktlichkeit eben. Inzwischen verspätet sich die Bahn auch bei schönem Wetter. Das Land hat sich verändert – wie eine 160 km-Bahnfahrt von Tutzing (am Starnberger See) über München nach Regensburg zeigt.
Für die Strecke Tutzing – Regensburg nimmt man normalerweise zunächst bis München den Regionalzug, der mit einem Zwischenhalt bis München Hauptbahnhof durchfährt, und steigt dort nach Regensburg um. Derzeit herrschen aber in der Region München keine normalen Verkehrsverhältnisse: Die Bahn hat zahlreiche Baustellen, und so fuhr am sommerlichen 8. Juni kein Zug von Tutzing nach München, sondern nur die S-Bahn, die eine Viertelstunde länger braucht.
Ich stieg in Tutzing in die S-Bahn ein, die pünktlich (12:44) abfuhr. In München Hauptbahnhof kam sie mit einigen Minuten Verspätung an, aber es reichte, um in den Anschlusszug nach Prag über Regensburg bequem umzusteigen. Der Zug – im Internet mit „geringe Auslastung“ angekündigt – war ziemlich voll: Ich nehme Platz in einem Großraumwagen der tschechischen Staatsbahn an der Spitze des Zuges und erwarte die Abfahrt. Aber der Zug, planmäßige Abfahrt 14:44, fährt nicht ab. Um 15:00 Uhr erfolgt eine kurze Ansage, die auf „ein technisches Problem“ hinweist und „in einigen Minuten“ die Abfahrt ankündigt. Der Zug fährt immer noch nicht. Um 15:20 neue Ansage: Es gebe ein Problem mit dem letzten Wagon, der abgekoppelt werden müsse.
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