Es ist das übliche Lanz-Ritual: Ein AfD-Vertreter wird in eine zahlenmäßig überlegene Runde gesetzt, der Moderator unterbricht und boxt, ein SPD-ler stöhnt, eine Journalistin spult ihre Befürchtungen ab und ein Verfassungsrechtler liefert mit dem Gesetzes-Lineal den Rahmen.
Blöd nur: Das Ritual ist so durchschaubar, dass sich Baumann in dieser Höhle der zahnlosen Löwen entspannt zurücklehnen kann. Tut er auch. Ewigkeiten lang sagt er nichts, weil er sowieso nichts sagen soll. Er sitzt nur lächelnd da und schaut dem Treiben zu. Er weiß: Sobald er mal drankommt, kann er kaum einen Satz geradeaus sprechen. Lanz knüppelt dazwischen, unterbricht ihn oft schon nach wenigen Worten. Gelegentlich sagt der Moderator gönnerhaft: „Sie dürfen gleich, Herr Baumann.“ Nur um dann minutenlang weiter mit den anderen Gästen zu reden.
Es habe wohl „eine Absprache gegeben“ zwischen der CDU und AfD, raunt Anne Hähnig von der ehemals angesehenen „Zeit“, und Georg Maier (SPD) ist ganz entsetzt: „So dreist. Da wurde gedealt!“ Der thüringische Innenminister betont: „Die Brandmauer hat schon ihren Sinn“. Denn genau für diese Aussage ist er gekommen. Und dafür kämpft schließlich auch sein Angestellter Stephan Kramer als Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes. Ein Behördenchef, dem die für das Amt vorgeschriebene Qualifikation fehlt, bewusst eingesetzt offenbar als Bluthund gegen die Blauen. Ein Mann, der im Alleingang und sogar gegen die Auswertungen der eigenen Fachleute die AfD als „gesichert rechtsextremistisch“ einstufte. In Thüringen, das von einem überführen Plagiator (Mario „Dr. No“ Voigt) regiert wird, ist offenbar alles möglich. Oder, um es mit Maier zu sagen: So dreist.
SACHSEN-ANHALT: SPD-Protest gegen AfD-Durchmarsch ‒ CDU in Erklärungsnot | WELT LIVESTREAM











