Wohl keine Schreckenstat der letzten Jahre, die in Deutschland zunehmend zum Alltag gehören, ist nüchtern betrachtet so alarmierend wie das Blutbad in einer Jugendhilfeeinrichtung der Hansestadt Stade. Sechs Menschen wurden von einem 45-jährigen Mann erschossen, weil sie sich seinen Wünschen nicht beugten.
Umso bedenklicher ist der mediale Umgang mit der Sache: Im ZDF heute journal am Montag nahm die Bluttat nur eine untergeordnete Rolle ein. Wichtiger fand man beim öffentlich-rechtlichen Sender Berichte über Hitzeschutz und über die Reform der viertklassigen Fußball-Regionalliga. Erst im letzten Viertel der Sendung wurden die Zuschauer informiert – und das innerhalb von nur 30 Sekunden, obwohl die gesamte Sendung fast zehn Minuten dauerte.
Beim Tagesspiegel freute man sich unterdessen darüber, dass der mutmaßliche Schütze vermeintlich ein deutscher Staatsbürger sei – zumindest meldete man das nach der Pressekonferenz der Behörden am Montagabend per Push-Benachrichtigung. Das Problem: In der Pressekonferenz fiel das Wort „Deutscher“ kein einziges Mal – tatsächlich handelt es sich beim mutmaßlichen Schützen um einen türkischen Staatsbürger, wie aus einer späteren Pressemitteilung der Polizei hervorgeht.
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