Die Stärke der AfD dürfte nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Karl-Rudolf Korte das deutsche Parteiensystem dauerhaft verändern. Wegen der wachsenden Bedeutung der Partei müssten sich die Deutschen künftig auf mehr „Kooperationsregierungen“ nach sächsischem und thüringischem Vorbild einstellen, sagte der emeritierte Professor der Universität Duisburg-Essen im Interview mit der Welt. Zugleich warnte Korte davor, die Entwicklung allein Friedrich Merz oder der Bundesregierung anzulasten. Hinter dem Aufstieg der AfD stehe vor allem ein international zu beobachtender „Sog des Autoritären“.
Korte hält die derzeitigen klaren Kräfteverhältnisse zwischen der Union und der AfD allerdings nicht für unumkehrbar. Es gebe weiterhin „dynamische Wählermärkte“, weshalb sich das Verhältnis zwischen beiden Parteien auch wieder verändern könne. Einen grundsätzlichen Strukturwandel, der automatisch zu einer dauerhaften Dominanz der AfD führe, sieht er nicht. Entscheidend seien vielmehr „Botschaft, Botschafter, mediale Durchdringung“.
Dass die AfD in den Umfragen inzwischen deutlich vor der Union liegt, führt Korte nicht allein auf den Kanzler zurück. Zwar habe Merz vor seiner Wahl angekündigt, die AfD halbieren zu wollen. Allerdings gebe es „einen Sog des Autoritären, der weltweit, vor allem auch bei europäischen Wahlen, sichtbar geworden ist.“ Deutschland sei davon nicht allein betroffen. Deshalb gebe es auch „nicht den einen Ausweg“.
Die Union habe aus seiner Sicht dennoch eine besondere Verantwortung. Sie müsse angesichts der Herausforderung durch die AfD „Stand halten, Haltung zeigen und durch Eigenprofilierung Schwerpunkte so setzen, dass man autoritäre Bewegungen klein hält“. Gleichzeitig gebe es ein „entkoppeltes System zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit“, gegen das selbst die „beste Bundesregierung“ nur begrenzt etwas ausrichten könne.
SACHSEN-ANHALT: Die Wahl hat begonnen! AFD vor Triumph! Kommt es zu Krawallen? I WELT LIVE









