Friedrich Merz kam an diesem Sonntag um 15.57 Uhr im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin an. Um 17 Uhr tritt dort das komplette CDU-Präsidium zusammen, das der Bundeskanzler und Parteivorsitzende eigens für den Wahlabend einbestellt hat. In Mecklenburg-Vorpommern und Berlin werden neue Landesparlamente gewählt, in beiden Ländern sehen die letzten Umfragen für die CDU erhebliche Verluste voraus. Zwei Wochen zuvor war die Partei in Sachsen-Anhalt von 37,1 auf 17,2 Prozent gefallen, absolut vernichtend, und hatte sämtliche zuvor gehaltenen Direktmandate verloren.
Die Fotos der Bildagenturen könnten inzwischen fast als eigenes Genre der deutschen Politik durchgehen: Friedrich Merz auf dem Rücksitz seiner Limousine, das Gesicht ernst, aufgenommen durch die Scheibe auf dem Weg zur Parteizentrale. Voll ausgeleuchtet mit Blitzlicht. Ein britischer Beobachter verglich solche Bilder jüngst sinngemäß mit einer Phase, die man aus London von schwer angeschlagenen Regierungschefs kennt, wenn sich die politische Berichterstattung zunehmend auf ihre Fahrten, ihre Gesichter hinter Autofenstern und ihre Wege zu Krisensitzungen konzentriert. Nach der Sachsen-Anhalt-Wahl war genau diese Bildsprache bereits dem britischen „Guardian“ aufgefallen; dessen Europa-Liveblog hob ausdrücklich die körnigen Aufnahmen eines düster blickenden Merz auf dem Rücksitz hervor und verband sie mit dem wachsenden Druck auf den Kanzler.
In Mecklenburg-Vorpommern erreichten die Christdemokraten 2021 noch 13,3 Prozent. Die letzte ZDF-Erhebung vor der heutigen Wahl sah sie bei sechs Prozent und damit nur einen Punkt über der Sperrklausel. Es könnte also neben hochblamabel auch noch knapp für die ehemalige VolksparteiCDU werden. Die SPD kam auf 37 Prozent, die AfD auf 36 Prozent.
Wahlen 2026 in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin: Analysen, Einschätzungen und Reaktionen - Teil 1









