Marokko und das deutsche Asylrecht – da war doch was. Jahrelang scheiterte der Versuch, das Königreich zum sicheren Herkunftsstaat zu erklären, am erbitterten Widerstand der Grünen. 2016 stimmten 62 von 63 Grünen im Bundestag gegen die Einstufung von Marokko, Algerien und Tunesien, 2019 waren es 65 von 67. Noch im Dezember 2025 lehnten sämtliche an der Abstimmung teilnehmenden Grünen das neue Gesetz ab, das der Bundesregierung die Bestimmung sicherer Herkunftsstaaten per Rechtsverordnung erleichtert. Im Januar 2026 zog die grüne Bundestagsfraktion deshalb sogar vor das Bundesverfassungsgericht.
Man sollte diese kleine deutsche Lügen-Spezialgeschichte im Kopf behalten, bevor man die neue ZDF-Dokumentation „Abenteuer Auswandern: Neuanfang in Marokko“ anschaut. Seit dem 16. August steht der 43-minütige Film von Maja Dielhenn im ZDF-Streamingangebot. Im linearen Programm lief er in dieser Woche um sagenhafte 0.45 Uhr, wo das aussterbende ZDF-Publikum schon längst in Morpheus Armen ruht. Das ZDF führt den sagenhaft schön gedrehten Film selbst unter „Reisen/Urlaub/Touristik“.
Die zeitliche Nähe zur Masseninvasion von Ceuta und die Rührstücke grüner Journalisten in den Redaktionen könnte kaum größer sein. Am 30. Juli wurde dort die EU-Außengrenze faktisch zu Zehntausenden überrannt. Nach den späteren Angaben der spanischen Regierung gelangten binnen kurzer Zeit bis zu 80.000 Menschen aus Marokko in die spanische Exklave. Sie schwammen um die Grenzanlagen herum oder überwanden die Sicherungen zu Fuß. Die Einwohnerzahl Ceutas liegt selbst nur bei etwas mehr als 80.000. Mindestens Dutzende Menschen starben im Meer. Tausende bleiben weiter in der Stadt.
Wer die deutsche leitmediale Berichterstattung über diese Ereignisse verfolgte, bekam schnell eine Erklärung angeboten. Die Tagesschau ließ einen Marokkaner sagen: „Wir wollen eine bessere Zukunft.“ In Marokko gebe es nichts, man könne dort nichts machen, die Arbeit sei hart und der Verdienst gering. Kurz danach legte die ARD mit einem eigenen Stück unter der Überschrift „Marokkos Jugend sieht zu Hause keine Perspektive“ nach. Ein junger Mann aus einer Textilfabrik in Tanger erklärte dort seinen Traum von Europa. Die Stoßrichtung ist klar: Deutschland soll noch viel, viel, viiiiiel mehr Marokkaner und sonst jeden Glücksuchenden Afrikas und Gazas in die Arme des deutschen Sozialstaats schließen.
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