Ab jetzt ist jedes Spiel ein Finale, wenn auch zunächst nur ein Sechzehntelfinale. 32 Mannschaften kämpfen ums Weiterkommen – wenn es sein muss, in der Elfmeterlotterie. Nur die Harten kommen in den Garten. Es gibt Fußballspiele, die bloß 90 Minuten dauern, und es gibt Begegnungen, die einen ganzen Koffer voller Geschichte mit auf den Platz schleppen. Deutschland gegen Paraguay gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Am Montag trifft die DFB-Elf im WM-Sechzehntelfinale auf einen Gegner, der auf den ersten Blick kleiner wirkt als sein Ruf. Genau darin liegt die Gefahr. Paraguay ist eine jener Mannschaften, die selten glänzen, aber anderen zuverlässig den Glanz nehmen. Ein Fußballland wie eine gut verschlossene Werkzeugkiste: nicht schön anzusehen, aber wehe, man unterschätzt ihren Inhalt. Rudi Völler formulierte es vor dem Spiel gewohnt nüchtern: Natürlich sei Deutschland Favorit, die Mannschaft werde gut auf Paraguay vorbereitet. Das klingt vernünftig – und notwendig. Denn Favoritenrollen haben bei dieser Weltmeisterschaft ungefähr die Halbwertzeit eines Eiswürfels in Arizona.
Ecuador hat Deutschland bereits gezeigt, wie schnell aus einem vermeintlichen Pflichtsieg ein unangenehmer Nachmittag werden kann. Dort war die Freude über den Erfolg sogar so groß, dass kurzerhand ein Nationalfeiertag ausgerufen wurde. Fußball ist in Südamerika eben keine Nebensache, sondern Religion, Familienfest und Staatsakt zugleich. Und Paraguay? Offiziell hat Asunción noch keinen zusätzlichen Feiertag angekündigt. Sollte die Albirroja den viermaligen Weltmeister jedoch aus dem Turnier werfen, dürfte zumindest die Zahl der Grillfeste, Polkas und spontan geöffneten Bierfässer explosionsartig steigen. Wahrscheinlich müsste man am Dienstagvormittag in manchen Behörden erst einmal nachsehen, ob überhaupt jemand den Schlüssel mitgebracht hat.
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