Deutschland lebt finanzpolitisch noch immer in der alten Welt niedriger Zinsen, warnt Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrats. Doch diese Welt ist vorbei. In seiner aktuellen Kolumne spricht er von einem „Phasenwechsel“, der die Spielregeln fundamental verändert habe. Seine Botschaft: Wer jetzt weiter auf neue Schulden, höhere Ausgaben und Steuererhöhungen setzt, habe den Ernst der Lage nicht verstanden.
Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrats der CDU, warnt vor einem finanzpolitischen Realitätsverlust in Deutschland. In seiner aktuellen Kolumne beschreibt er die neue Lage mit einem physikalischen Bild: dem Phasenwechsel. Den Übergang von einem Aggregatzustand zu einem anderen bezeichnet man in der Physik als Phasenwechsel, schreibt Steiger. Für den neuen Zustand – „fest, flüssig oder gasförmig“ – gälten plötzlich ganz andere Gesetze als zuvor.
Sein Vergleich: Wenn Wasser über den Fuß laufe, bekomme man nasse Füße. „Fällt Ihnen jedoch Eis auf die Füße, tut es weh.“
Analog verhalte es sich mit dem Finanzsystem. Hohe Schulden seien in einer Welt niedriger Zinsen zwar „ungemütlich“, aber man könne „mit nassen Füßen weiterlaufen“. In einer Welt hoher Zinsen und ohne Wachstum falle einem dagegen „das ganze Gewicht der Schulden auf die Füße“ – und könne einen „zum Sturz bringen“. Steigers Diagnose: „Wir erleben gerade einen solchen Phasenwechsel, der die Spielregeln fundamental verändert.“
Traditionell seien die Renditen von Staatsanleihen bei Zinssenkungszyklen der Zentralbanken gesunken. Zuletzt aber seien die Risikoprämien in Europa und den USA selbst nach Leitzinssenkungen gestiegen. Auch Deutschlands Ruf als sicherer Hafen bei Investoren verändere sich. In der Vergangenheit seien deutsche Risikoprämien bei internationalen Krisen eher gefallen. Zuletzt aber seien die Renditen deutscher Bundesanleihen sowohl bei der französischen Haushaltskrise als auch beim Iran-Konflikt in die Höhe geschnellt.
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