Rauch steigt auf, Motoren knattern. Zum Einmarsch von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund wird fröhlich gehupt. „U-U-Ulli!“, ruft einer, später rufen es viele. Tausende jubeln. Der TikTok-Star und Strahlemann kommt auf seiner schon zum Markenzeichen gewordenen blauen Simson angefahren. Vor ihm, auf einem offenen Jeep, sitzt sein Kamerateam, das seinen Wahlkampf seit Wochen und Monaten gebührend in Szene setzt. Die Stimmung an diesem Sonntag in Quedlinburg schwankt irgendwo zwischen Weltstar-Konzert und Königskrönung.
Was für ein klägliches Bild gibt hingegen die CDU ab: Am Samstagabend kann Ministerpräsident und Spitzenkandidat Sven Schulze in Tangermünde viel weniger Menschen mobilisieren. Sein Veranstaltungszelt ist schon klein, trotzdem bleibt viel Platz. Keyboard und Saxofon werden gespielt, die Melodie trennen stimmungsmäßig nur wenige Takte von einem Trauermarsch. Irgendwo am Rand vor dem Zelt steht Schulze und führt ein Welt-Interview. Im Zelt sitzen vor allem Menschen mit weißen Haaren. Es sind vielleicht ein paar hundert.
Was unterscheidet beide Politiker? Eigentlich alles, könnte man meinen. Sven Schulze ist keine 50, strahlt aber schon jetzt die ganze Altbackenheit und Müdigkeit des etablierten Politikbetriebs aus. Ulrich Siegmund hingegen wirkt energetisch. Er gibt sich wie ein Volkstribun – und das ist er in Sachsen-Anhalt auch ohne Zweifel.
Siegmund verbreitet etwas, was bei Sven Schulze so völlig abhandenkommt: richtige Aufbruchstimmung. Während die CDU mit ihrem Bundeskanzler eine solche Stimmung von oben verordnen will und dann beleidigt ist, wenn sie nicht entsteht, macht Siegmund das ganz organisch. Viele werfen der AfD vor, immer nur untergangsprophetisch, negativ und nörgelnd daherzukommen. Mit Blick auf das Auftreten mancher Spitzenpolitiker der Partei ist das auch nicht unberechtigt. Aber Siegmund macht es genau anders. Das macht ihn besonders.
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