Deutsche Medien von der FAZ bis zum Spiegel hatten eine große Frage an den neuen ungarischen Ministerpräsidenten Péter Magyar, als dieser am 2. Juni zu seinem Antrittsbesuch in Berlin weilte: Welche Lehren könne man im „Kampf gegen Rechts” aus seinem spektakulären Wahlerfolg ziehen? Wie könne man der AfD beikommen?
Eine Brandmauer mache solche Kräfte nur stärker – diese Antwort dürfte vielen, vor allem Bundeskanzler Friedrich Merz, nicht gefallen haben. Aber die Frage war ohnehin falsch gestellt, weil die Natur des Kräftemessens in Ungarn bei den letzten Wahlen ganz anders war als die Mühen der deutschen Altparteien gegen die AfD.
Die Rezepte, die Péter Magyar anwandte, sind unbrauchbar für CDU/CSU, SPD und Grüne. Wer davon lernen könnte, das sind vielmehr Alice Weidel und die AfD.
Bei der ungarischen Wahl ging es jenseits aller Ideologie um die Entladung lang angestauten Frusts über eine Regierung, die zu lange an der Macht geblieben war, gekoppelt mit sechs wirtschaftlich mageren Jahren. Fidesz war nach sechzehn Jahren ausgelaugt, es hätte neue Gesichter und neue Ideen gebraucht, aber die gab es nicht. Und so entstand Protestpotential, für das Péter Magyar zur Projektionsfläche wurde.
Diese Ausgangssituation kann durchaus mit der Lage in Deutschland verglichen werden. Auch hier gibt es Frust mit den alten Sprüchen und Gesichtern, auch hier stolpert die Wirtschaft seit Jahren abwärts. Und wenn man so will, kann man CDU/CSU, SPD und Grüne auch als verschiedene Mitglieder desselben politischen „Teams” betrachten: Immer sie sind an der Macht, wenn auch wechselweise, sie tun einander nicht weh, sie denken in vielem ähnlich.
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