Am 23. August 1934 stiegen Ludwig von Mises und seine spätere Frau Margit durch die österreichischen Alpen. Oben am Edelweißkopf angekommen, umgeben von Bergen, Wind und einer Ruhe, die in scharfem Gegensatz zu den politischen Verhältnissen im damaligen Österreich stand, erklärte Mises ihr, dass er Wien Anfang Oktober verlassen werde. Ihm war eine Professur am Genfer Hochschulinstitut für internationale Studien angeboten worden. Mises hatte zugesagt.
Margit von Mises setzt diese Szene in ihren Erinnerungen nicht zufällig unmittelbar hinter die Schilderung von Hitlers Aufstieg, der nationalsozialistischen Unruhen in Österreich und der Ermordung des österreichischen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß. Mises habe genau gewusst, was Hitlers Machtzuwachs für Österreich bedeuten werde. Nur den Zeitpunkt der Katastrophe habe er nicht kennen können. Am 3. Oktober 1934 verließ er Wien tatsächlich in Richtung Genf.
Fast genau 92 Jahre später, am 23. August 2026, heizt sich in München eine Debatte darüber auf, ob ein Institut, das Mises’ Namen trägt und seine Lehren verbreiten will, noch als akzeptabler Vertragspartner gelten könne. Nach einem Bericht der Münchner Abendzeitung, der dem Institut eine Nähe zur AfD vorwarf, prüfte das Hotel, in dem 13 Jahre lang die jährliche Konferenz des Instituts stattfand, die Geschäftsbeziehung „erneut und umfassend“. Über das Jahr 2026 hinaus wolle man dem Institut keine Räume mehr überlassen. Der Bayerische Hof betonte, er stehe für „Weltoffenheit, Toleranz“ und die Grundwerte einer freiheitlichen Demokratie.
Noch viel bedenklicher als die Entscheidung eines privaten Hotels ist aber die politische Intervention. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause bezeichnete das Gedankengut des Mises-Instituts gegenüber der Abendzeitung als „besorgniserregend“. Seine Folgerung lautete: „Der Staat darf auch nicht untätig bleiben.“ Sicherheitsbehörden und die sogenannte Zivilgesellschaft müssten wachsam sein. Der Vorwurf lautet nicht mehr bloß, einzelne Redner des Instituts verträten radikale oder falsche Auffassungen. Aus einer weltanschaulichen Kontroverse wird ein Gegenstand staatlicher Aufmerksamkeit.
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