Die türkische Zentralbank signalisiert trotz einer weiterhin extrem hohen Inflation eine Lockerung ihrer Geldpolitik. Sie kündigte am Sonntagabend an, die seit März ausgesetzten einwöchigen Repo-Auktionen wieder aufzunehmen. Geschäftsbanken können sich dadurch künftig erneut zum Leitzins von 37 Prozent mit Liquidität versorgen. Bislang mussten sie überwiegend auf teurere Übernachtkredite zum Zinssatz von 40 Prozent zurückgreifen.
Formal blieb der Leitzins unverändert. Praktisch verbilligt sich die Refinanzierung der Banken jedoch. Die Entscheidung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Inflation im Juli um 31,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lag. Damit verfolgt die Notenbank einen geldpolitisch riskanten Kurs: Sie erleichtert die Finanzierung, obwohl der Preisdruck weiterhin deutlich über den Zielwerten liegt.
An den Finanzmärkten löste der Schritt zunächst deutliche Kursgewinne aus. Der Bankenindex der Börse Istanbul stieg zeitweise um 4,1 Prozent und notierte später noch rund drei Prozent im Plus. Investoren erwarten offenbar Auftrieb bei den Banken und spekulieren auf weitere Zinssenkungen im Jahresverlauf. Auch türkische Staatsanleihen waren gefragt. Die Renditen zweijähriger Papiere gingen um 58 Basispunkte zurück, bei zehnjährigen Anleihen betrug der Rückgang 25 Basispunkte.
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