Widmen wir uns zunächst den Niederungen. Der große Verlierer dieser Tage ist Rheinmetall. Dabei galt die Aktie des Rüstungsriesen doch seit Ausbruch des Ukraine-Krieges als praktisch unsinkbar. Versenkt hat sie jetzt aber ausgerechnet Verteidigungsminister Boris Pistorius, indem er einen Auftrag für sechs Kriegsschiffe zurückzog, für den Rheinmetall eigentlich eine eigene Marinesparte aufgebaut hatte. Stattdessen ordert Pistorius nun bei Konkurrent ThyssenKrupp Marine Systems acht andere Schiffe, die, so heißt es, besser den Anforderungen der Nato entsprächen. Die Rheinmetall-Aktie verlor allein am Mittwoch 20 Prozent und notiert erstmals seit mehr als einem Jahr unter 1000 Euro. Konzernchef Armin Pappberger hatte laut „Handelsblatt“ kurz zuvor noch Aktien für neun Millionen Euro gekauft – und so an einem Tag zwei Millionen verloren. Geht die Talfahrt in den kommenden Tagen weiter oder setzt eine Erholung ein?
In die andere Richtung ging es am Donnerstag für Bayer, und zwar gewaltig. Im milliardenschweren Rechtsstreit um den vermeintlich krebserregenden Unkrautvernichter Glyphosat hatte der Konzern vor dem obersten US-Gericht einen wegweisenden Sieg errungen. Es hatte entschieden, dass Bundes- vor Landesrecht geht, und die Bundesbehörde hatte Glyphosat als nicht krebserregend eingestuft. Damit ist den Tausenden Schadensersatzklagen die Grundlage entzogen. Der Bayer-Aufwärtstrend könnte in der kommenden Woche weitergehen.
Der Ölpreis ist derweil auf den Stand von vor dem Irankrieg gesunken. Allerdings nicht an den Zapfsäulen. Das treibt die Inflation weiter an. Neue Daten aus den USA zeigen, dass die Fed wohl nicht umhinkommen wird, die Zinsen anzuheben. Aktuelle Inflationsdaten gibt es nächste Woche auch für Deutschland und die EU. Im Mai waren die Verbraucherpreise hierzulande um 2,6 Prozent gestiegen, EU-weit um 3,2 Prozent. Die Preissteigerungserwartungen werden in den nächsten Wochen die entscheidende Größe für Gedeih oder Verderb der Börsen sein.
Spannend wird es am Freitag; denn am 3. Juli endet die (verlängerte) Angebotsfrist von Unicredit an die freien Aktionäre der Commerzbank, ihre Aktien in 0,485 Aktien der Italiener zu tauschen. 39 Prozent der Commerzbank-Anteilsscheine besitzt die Unicredit schon, die Komplettübernahme scheint unausweichlich. Die HypoVereinsbank hat sich die Unicredit schon vor Jahren geschnappt. Es gäbe dann nur mehr die Deutsche Bank als ernstzunehmenden privaten deutschen Player im globalen Finanzgeschäft.
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