Protokolle besinnungsloser Radikalität

vor etwa 2 Stunden

Protokolle besinnungsloser Radikalität
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In den Chatgruppen der Linkspartei ist das Chaos ausgebrochen; der Tagesspiegel lässt uns daran sehr unterhaltsam teilhaben. „Ich kann es nicht verstehen, wie man sich selbst so erniedrigen kann. Wenn man sich schon jetzt bei Vorsondierungen so zum Hund macht.“ schreibt ein Mitglied. Die Linkspartei hatte in „Vorsondierungen“ eingestanden, sich einem Antisemitismus-Mechanismus anzuschließen. Eine andere meint: „Ich hätte nicht geglaubt, dass jemand aus unserer Partei noch vom Existenzrecht eines Landes sprechen würde.“ Die stellvertretende Vorsitzende der Partei, Martha Kleedörfer, erklärt, die Legitimität der Forderung nach einer „demokratischen Ein-Staaten-Lösungen“ sei „basic knowledge“.

Einen Tag später demonstrieren die Linken-Abgeordneten Köktürk und Emde auf derselben Kundgebung wie PFLP-Unterstützer Ibrahim Ibrahim in Berlin. In der Chatgruppe macht der Vize-Vorsitzende Tobias Schulze ein bemerkenswertes Geständnis: „Es gibt (ob übertrieben oder nicht) viele jüdische Familien, die seit unserem Wahlsieg auf gepackten Koffern sitzen.“ Das Beste daran ist der Einschub „ob übertrieben oder nicht“, der den ganzen Wahnsinn der Situation zusammenfasst: Übertreiben die Juden ein wenig mit ihrer Angst? Oder – und das ist ja die Alternative, die er offenbar auch für möglich hält – haben die Juden nicht einfach völlig zu Recht Angst vor dem, was da noch durch seine Partei kommt?

120 Politiker der Partei, darunter 17 Bundestagsabgeordnete, haben jedenfalls gleich mal einen Brandbrief gegen den Minimalkompromiss mit SPD und Grünen geschrieben, der den Antisemitismus-Vorwurf eher oberflächlich abräumen soll. Sie machen unmissverständlich klar, was da noch kommt, sollte die Partei zu ernsthaften Konzessionen gezwungen werden.

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