Die deutsche Pflegeversicherung nähert sich dem Zustand, für den ein privates Unternehmen längst beim Insolvenzgericht vorstellig werden müsste. „In wenigen Monaten ist das Geld alle“, warnt Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. Bereits im Oktober sollen die laufenden Einnahmen nicht mehr ausreichen, um die Pflegeleistungen vollständig zu finanzieren. Bis zum Jahresende fehlen nach Berechnungen des Verbandes noch einmal rund 500 Millionen Euro.
Dabei ist die Pflegeversicherung längst mit Milliarden aus dem Bundeshaushalt vollgepumpt worden. Allein 2026 erhält sie ein Darlehen über 3,2 Milliarden Euro. Trotz dieser Finanzspritze erwartet der GKV-Spitzenverband für das Gesamtjahr noch ein Defizit von 1,2 Milliarden Euro. Ohne das Darlehen beliefe sich das tatsächliche Loch auf 4,4 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr waren bereits 770 Millionen Euro Defizit aufgelaufen. Die Ausgaben stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um elf Prozent, die Beitragseinnahmen lediglich um 3,9 Prozent.
Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt dieser Bankrotterklärung. Zum 1. Januar 2025 hatte die damalige Bundesregierung den Beitragssatz zur Pflegeversicherung gerade erst um 0,2 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent erhöht. Kinderlose zahlen seither 4,2 Prozent. Die Beitragserhöhung sollte jährlich rund 3,7 Milliarden Euro zusätzlich einbringen. Der Bundestag hielt damals unter Berufung auf die Bundesregierung ausdrücklich fest, mit dem höheren Beitrag sei die Finanzierung der gesetzlichen Leistungen ab 2025 wieder gesichert. Keine zwei Jahre später lautet die Übersetzung von „gesichert“: Im Oktober reicht das Geld nicht mehr.
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