Pekings Roboter-Olympiade: Schneller als Usain Bolt – aber noch mit Problemen beim Bremsen

vor etwa 7 Stunden

Pekings Roboter-Olympiade: Schneller als Usain Bolt – aber noch mit Problemen beim Bremsen
Bildquelle: Tichys Einblick

Der schnellste Läufer im Pekinger Eisstadion hat weder Herz noch Lunge. Er besteht aus Metall, Elektromotoren, Sensoren, Batterien und Rechenleistung. 9,39 Sekunden benötigte der humanoide Roboter „Tiangong Ultra“ für 100 Meter. Damit war die Maschine rechnerisch 19 Hundertstelsekunden schneller als der schnellste Mensch, Usain Bolt, bei dessen Weltrekordlauf 2009 in Berlin.

Dieser Vergleich lieferte China die gewünschten Schlagzeilen. Der Zieleinlauf zeigte allerdings auch, wie weit der Weg zum wirklich menschenähnlichen Roboter noch ist: Tiangong konnte seine Geschwindigkeit nicht rechtzeitig abbauen, taumelte nach Ende der Bahn und prallte gegen eine dicke Polstermatte und flog zurück auf den Boden. Ihm hatte wohl noch niemand gesagt, wann er aufhören muss. Der zweitplatzierte Roboter „Lightning“ des Smartphone-Herstellers Honor lief 9,47 Sekunden, stürzte anschließend ebenfalls und musste sogar auf einer Trage abtransportiert werden.

In einem Test vor Beginn der Wettkämpfe hatte Lightning sogar 9,32 Sekunden erreicht und dabei nach Angaben des Herstellers eine Spitzengeschwindigkeit von 14,5 Metern pro Sekunde erzielt.

Die beeindruckenden Bilder von laufenden, boxenden, Fußball spielenden und Tai-Chi übenden Maschinen stammen von den zweiten „World Humanoid Robot Games“, die bis Mittwoch in Peking stattfanden und das Nationale Eisschnelllauf-Oval der Olympischen Winterspiele von 2022 in die größte Roboterarena der Welt verwandelten. 2.056 Maschinen traten für 666 Mannschaften aus 16 Ländern und sechs Kontinenten an. Geplant waren mehr als 1.300 Einzelwettkämpfe in 51 Disziplinen. Deutschland, Japan und die USA waren zwar vertreten, allerdings kommen rund 96 Prozent der Meldungen von chinesischen Mannschaften. Kein Wunder: Dies sollte vor allem eine chinesische Leistungsschau mit internationaler Beteiligung sein.

Dennoch ist der Fortschritt bemerkenswert. Bei der ersten Roboter-WM 2025 benötigte Tiangong Ultra für die 100 Meter noch 21,50 Sekunden. Innerhalb eines Jahres wurde diese Zeit mehr als halbiert. Über 400 Meter lief ein Tiangong-Modell jetzt 39,7 Sekunden und blieb damit unter den 43,03 Sekunden des menschlichen Weltrekordhalters Wayde van Niekerk. Ein anderer Roboter erreichte beim Standhochsprung angeblich 2,88 Meter; im Vorjahr waren es lediglich 95 Zentimeter gewesen.

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