Der Mittwochmorgen des 15. Juli beginnt in Deutschland mit einer Messerjagd am Bahnhof und einem Schusswechsel vor einem Supermarkt. Zwischen beiden Polizeieinsätzen liegt kaum mehr als eine Stunde. Der Ausnahmezustand fügt sich inzwischen so regelmäßig in den deutschen Alltag, dass Behörden und Medien ihn routiniert als regionale Meldung abarbeiten.
Gegen 7.15 Uhr kommt es in einem Regionalzug am Bahnhof Ruhpolding zum Streit während einer Fahrkartenkontrolle. Ein 28 Jahre alter Mann zieht ein Messer und bedroht einen Schaffner. Die Auseinandersetzung verlagert sich auf den Bahnsteig. Der Bewaffnete läuft anschließend davon.
Nach Informationen mehrerer Medien handelt es sich bei dem Mann um einen Afghanen, der als Asylbewerber in Deutschland lebt und bereits polizeibekannt sein soll. Eine Zeugin berichtet, er habe im Zug wirr geredet und Krawall gemacht, eine Kontrolleurin soll er geschubst haben. Als ein weiterer Zugbegleiter eingriff, zog der Mann dem Bericht zufolge eine etwa 15 Zentimeter lange Klinge.
Videoaufnahmen dokumentieren, wie der Mann mit dem Messer hinter Passanten herjagt. Gegen den Rücken eines Flüchtenden führt er eine Stichbewegung aus. Schulkinder verlassen den Zug in Panik und suchen Schutz in einer nahe gelegenen Bäckerei. Ein gewöhnlicher Schulweg wird innerhalb weniger Sekunden zur Flucht vor der tickenden Zeitbombe bzw. bewaffneten Asylbewerber.
Polizisten stellen den Tatverdächtigen später im Bereich des Kurparks. Nach ihrer Aufforderung lässt er das Messer fallen und wird festgenommen. Drei Kinder verletzen sich bei der Flucht. In einer Turnhalle richtet die Polizei eine Betreuungsstelle ein, die von 43 Kindern und Jugendlichen sowie 15 Erwachsenen genutzt wird. Die Bundespolizei führt die weiteren Ermittlungen. Der erste öffentlich genannte Tatvorwurf lautet Bedrohung. Die deutsche Verwaltungssprache verwandelt auch diese Szenen zuverlässig in einen handlichen Vorgang.
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