Von dem noch relativ jungen Ronald Reagan stammt der Spruch: „Wenn man die Regierungsbüros für zwei Wochen schließen würde – niemand würde es merken.“ In Deutschland dauert dieser Zustand sogar mehrere Wochen. Er betrifft nicht alle Büros, aber viele; das Ganze nennt sich Sommerpause.
Besonders viel merken die Bürger auch hier nicht; die Schlagzahl der Ankündigungen mit der frivolen Überschrift „Reform“ nimmt ab, Marcel Fratzscher stößt vorübergehend nicht mehr einen Steuererhöhungsvorschlag pro Woche aus. In Berlin findet Kai Wegner endlich Zeit, Tennis zu spielen und den Kopf freizubekommen. Selbst die Grünen gehen es nach der Plackerei mit ihrem Männlichkeitsrezept ein bisschen ruhiger an. Ein neues parteioffizielles Leitbild für Linkshänder, Flexitarier, Gelegenheitsraucher und weitere Gruppen legten sie bisher jedenfalls noch nicht vor.
Nicht alle gönnen sich die sommerlichen Betriebsnudelferien. Es gibt immer auch rastlose Gremien, die wissen, dass die gerade in dieser Zeit Projekte durchbringen sollten, die das Licht der Öffentlichkeit schlecht vertragen. Eine noch bessere Gelegenheit ergibt sich, wenn gleichzeitig eine Weltmeisterschaft läuft. Die EU der Ursula von der Leyen nutzt den Sommer, um eine Altersbestätigungs-App für den Internetzugang durchzusetzen, die angeblich anonymisiert arbeiten soll – was allerdings unmöglich funktionieren kann. Um das Alter einer Person zu prüfen, muss man sie identifizieren.
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