Fürstin Gloria von Thurn und Taxis rechnet mit der EU, der Energiewende und dem deutschen Sozialstaat ab. Sie fordert das Ende der Brandmauer zur AfD, lobt Gerhard Schröder und erklärt, warum sie Erben für eine Leistung hält.
Angst habe sie nie gehabt, sagt Gloria von Thurn und Taxis über die Zeit nach dem Tod ihres Mannes 1990. Sie war 30, hatte drei kleine Kinder und übernahm die Verantwortung für ein wirtschaftlich gefährdetes Familienvermögen. Geholfen hätten ihr Betriebswirtschaft und Gottvertrauen.
Heute, mit 66 Jahren, fordert die Regensburger Fürstin einen grundlegenden politischen und wirtschaftlichen Kurswechsel. Im Gespräch mit NIUS spricht sie über Vermögen und Verantwortung, Steuern und Staatsausgaben, Energiewende und Europäische Union, Friedrich Merz und die AfD. Sie erklärt, warum sie den Mittelstand bedroht sieht, die deutsche Ukraine-Hilfe ablehnt und am katholischen Glauben als Fundament Europas festhält. Auch über ihre Lust an der Provokation und frühere öffentliche Eklats spricht sie ohne erkennbare Reue. Aus Termingründen haben wir das Interview per E-Mail geführt.
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis
Fürstin Gloria, Sie waren erst 30 Jahre alt, als Ihr Mann Johannes starb. Plötzlich standen Sie mit Ihrer Trauer, drei kleinen Kindern und der Verantwortung für ein wirtschaftlich gefährdetes Haus allein da. Was hat Ihnen damals am meisten Angst gemacht?
„Ich hatte nie Angst, denn ich war gut vorbereitet. Die Schieflagen Punkt für Punkt abzuarbeiten, war mein Ziel, an etwas anderes habe ich nicht gedacht. Wir hatten dank meines BWL-Lehrers die Probleme einzeln als Fallbeispiele durchgenommen und verschiedene Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. Dazu gab mir noch der Glaube an Gott die nötige Zuversicht.“
In den einschlägigen Reichenlisten ist Ihr Sohn Albert von Thurn und Taxis mit rund 600 Millionen Euro verzeichnet. Auch Sie und Ihre Töchter verfügen mutmaßlich über ein Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe. Zum Familienbesitz gehören mehrere Schlösser, dazu Ländereien und Immobilien im In- und Ausland, Unternehmensbeteiligungen sowie bedeutende Kunstbestände. Sie selbst führen mehrere Firmen, verfügen also über nicht unbeträchtlichen unternehmerischen Einfluss. Wem schulden Sie als Verwalterin dieses Besitzes am Ende Rechenschaft: Ihren Kindern, den Vorfahren, Gott oder der Bilanz?
„Die sogenannten Reichenlisten sind dazu da, den Neidinstinkt der Menschen zu fördern. Außerdem sind sie oft völlig falsch. Was stimmt, ist, dass wir Schlösser haben und Land- und Forstwirtschaft betreiben. Die Schlösser sind in ihrer Erhaltung sehr teuer, vor allem wegen der hohen Auflagen der unterschiedlichsten Behörden, die darüber wachen. Das bedeutet, dass jeder Cent umgedreht werden muss, um den Erhalt und die öffentliche Zugänglichkeit zu ermöglichen. Wer ein Schloss besitzt, kann also nicht wirklich reich sein, denn zu viel Geld fließt ins Gebäude. Wer sein Erbe verantwortungsvoll verwaltet, erbt auch Verpflichtungen gegenüber den ererbten Mitarbeitern und dem ganzen Betrieb. Wenn man beurteilen möchte, wie vermögend jemand ist, muss man beide Seiten ansehen: das Einkommen und die notwendigen Ausgaben für den Betrieb selbst, inklusive Steuern und Abgaben. Was dann noch übrig bleibt, ist das, was zur freien Verfügung übrig bleibt. Meistens wird es reinvestiert oder ausgegeben und somit dem volkswirtschaftlichen Kreislauf wieder zugeführt, von dem alle etwas haben. Rechenschaft wird gegenüber dem lieben Gott, der Steuerbehörde, den Familienmitgliedern und den Mitarbeitern abgegeben.“
Nach dem Tod Ihres Mannes wurden rund 45 Millionen D-Mark Erbschaftsteuer fällig. Wie stehen Sie zur Erbschaftsteuer? Würden Sie sie vollständig abschaffen, auch bei rein privatem Vermögen? Oder sollte nur Betriebsvermögen verschont bleiben, weil daran Unternehmen und Arbeitsplätze hängen?
„Man könnte doch darüber nachdenken, Steuern insgesamt zu senken, das käme der Gesamtwirtschaft und somit der Allgemeinheit sicherlich zugute. Dummerweise kapieren die Linken das aber nicht.“
Sie halten die Linken für unfähig, wirtschaftlich vernünftig zu handeln. Wenn Sie Deutschland heute selbst neu ordnen müssten, welche drei Dinge würden Sie zuerst ändern?
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