Bei den Grenztruppen gab es ein perfides Spiel. Bei den Schießübungen stachelten die Offiziere die Soldaten an: Wer heute „Schießkönig“ wird, also die meisten Treffer landet, der bekommt das Wochenende frei. Die Soldaten versuchten alle, sich ihr freies Wochenende zu verdienen, und schossen so gut sie konnten. Ob die „Schießkönige“ tatsächlich das Wochenende frei bekamen, weiß ich nicht. So weit reichte die Erinnerung des Bekannten meiner Familie, der selbst bei den Grenztruppen stationiert war, nicht mehr. Was sie allerdings bekamen, war eine Drohung: „Jetzt wissen wir, wie gut du schießen kannst. Glaub ja nicht, dass du beim nächsten Einsatz daneben schießen darfst.“
Sven Hüber konnte die DDR hinter sich lassen. Er hat Karriere gemacht, hat gute Beziehungen und viel Anerkennung. So ist es in der BRD gelaufen, und so wäre es auch in der DDR weitergegangen, wenn die Mauer nicht gefallen wäre. Und nach so einem gemütlichen Leben wählt er nun, da ihn seine Vergangenheit möglicherweise doch noch einholt, ein gemütliches Ende. Er wäre eh gegangen, und nun tut er es eben etwas früher.
Ja, das mit der Abschiedsfeier ist ein bisschen schade, aber vielleicht muss er gar nicht auf seine Torte verzichten. Sein Umfeld hat ja immer viel Verständnis für seine Vergangenheit gezeigt. Unter Nancy Faeser ehrte das Bundesinnenministerium Hüber noch für sein 40-jähriges Dienstjubiläum, wobei seine Zeit als DDR-Politoffizier einfach mitgerechnet wurde. Unter seiner lieben Nancy wäre die Feier bestimmt nicht abgesagt worden.
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