Die intellektuelle Herausforderung von Merz‘ Bestem

vor 6 Tagen

Die intellektuelle Herausforderung von Merz‘ Bestem
Bildquelle: Tichys Einblick

Philipp Amthor besitzt wenigstens ein besonderes Talent. Er schafft es, den irrationalen Hochmut eines ganzen politischen Apparats in einem einzigen Satz auf Zwergengröße zu schrumpfen. Beim Sommerempfang der CDU Sachsen-Anhalt in Bitterfeld-Wolfen wollte der Mitgliederbeauftragte seiner Partei zeigen, wie man eine AfD stelltt, die in den Umfragen inzwischen irgendwo jenseits der CDU-Sichtweite fährt. Also nahm er sich AfD-Kandidat Ulrich Siegmund vor. Dessen Auftritte im Netz seien die „Li-La-Laune-Videos da von dem Duftkerzenverkäufer“.

Man muss sich dieses Schimpfwort aus dem Munde eines Philipp Amthors ganz genau vor Augen führen. Siegmund hat irgendwann Waren verkauft. An Kunden. Für Geld. Er musste offenbar Menschen davon überzeugen, etwas freiwillig zu kaufen. In der Welt eines Politkarrierstschleimers wie Philipp Amthor scheint das bereits eine ausreichend exotische Erwerbsbiografie zu sein, um daraus eine Art von unterkomplexer Beleidigung zu drechseln.

Seit Wochen arbeiten sich Union-Funktionäre an Siegmunds beruflicher Tätigkeit ab, während sie im gleichen Atemzug Verachtung für die arbeitende Bevölkerung signalisieren. Was bereits zu einem unfassbaren Backlash geführt hat, auch bei Leuten, die mit der AfD rein gar nichts anfangen können. Zum Schaden für Blindschleichen-Funktionäre der Union sogar mit einem gewaltigen Solidarisierungseffekt für Siegmund. Selbst eher links stehende Medien gingen mit diesen Ausfällen keineswegs gnädig um. Was macht man bei der Union? Weiterfahren im Karussell. Anhalten und Aussteigen unmöglich.

Siegmund absolvierte eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel, arbeitete danach in der Vertriebsleitung und als Key Account Manager. Später machte er sich selbstständig. Parallel studierte er Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaftslehre bis zum Bachelorabschluss. Irgendwann vertrieb er Raumdüfte. Daraus abgleitet soll „Duftkerzenverkäufer“ die ganze Geringschätzung von Personen ausdrücken, die außer auf Steuerzahlerticket kaum bis rein gar nichts vorzuweisen haben.

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