Die Ehrenliste

vor etwa 1 Stunde

Die Ehrenliste
Bildquelle: Tichys Einblick

62 YouTube-Kanäle hat die linke Kampagnenorganisation zusammengetragen. Ihre Betreiber sollen von Werbeeinnahmen abgeschnitten werden. Unter den Geächteten finden sich Tichys Einblick und NIUS. Apollo News ist dabei, ebenso die Weltwoche. Hinzu kommen weitere als oppositionelle betrachtete YouTuber wie Jasmin Kosubek, Weichreite etc. Einzelkämpfer, die wenig anderes tun, als mit Menschen zu sprechen. Außerdem zahlreiche Accounts der AfD.

Campact versieht seine jüngste Liste mit Etiketten wie „AfD-nah“, „rechtspopulistisch“ oder „verschwörungsideologisch“ und liefert die Zusammenstellung Unternehmen gleich als Grundlage für deren Sperrlisten. Rund 90 Firmen wurden mit hahnebüchenden Unterstellungen und Zuschreibungen angeschrieben. Reagiert haben auf der Gegenseite meist Leute, die über das gleiche kommunistische Mindset  verfügen wie bei rotgrünen Pressuregroups. Oder Boomer, die mit den neuen Zeiten überfordert sind. Im Fall von Edeka kann man davon ausgehen, dass hier an entscheidender Stelle in Hamburg Personen mit der gleichen Ideologie unterwegs sind wie bei rotgrünen NGOs. Geldentzug für politisch Unerwünschte.

Rund 15.000 Aktivisten ließ Campact nach eigenen Angaben knapp 40.000 Anzeigen erfassen. Die folgenden Wackeldackel werden auf ausgewählte Videos geschickt, sollen die dort automatisch eingeblendete Werbung notieren und anschließend das betreffende Unternehmen bei Campact melden. Eine Aktion, auf die jede DDR 2.0 mit großem Stolz blicken würde. Auf der eigenen Seite formuliert die Organisation das Ziel erfreulich unverstellt.

Wer auf diese Weise auf einer Liste landet, befindet sich teilweise in ausgesprochen unterschiedlicher Gesellschaft. Das gehört zur Methode. Journalistische Medien stehen neben Parteikanälen. Jeder wird mit jedem verrührt. Anschließend reicht die bloße Aufnahme in die Tabelle bereits als Verdachtsmoment.

Für Tichys Einblick liefert Campact eine besonders eindrucksvolle Begründung. TE hat Ulrich Siegmund interviewt, den Spitzenkandidaten der AfD in Sachsen-Anhalt. Das genügt für die gewünschte wirtschaftliche Ächtung. Siegmund wurde auch von öffentlich-rechtlichen Sendern interviewt. Campact hat bislang keinen Feldzug gegen die Kunden von ARD und ZDF eröffnet.

Pressefreiheit ist keine Prämie für Wohlverhalten. Meinungsfreiheit endet auch nicht dort, wo Friederike Gravenhorst von Campact schlechte Laune bekommt.

Im Gegenteil: Je willkürlicher Campact seine Lieblings-Delinquenten zusammenstellt, desto ehrenvoller wird die Aufnahme. Für diejenigen, die dort wegen ihrer journalistischen Arbeit landen. In derselben Tabelle stehen Parteikanäle der AfD neben denen von Tichys Einblick, NIUS, Apollo News und Compact, wie noch vielen anderen. Für einige, die doch ein undifferenzierter unterwegs sind, ist die Campact-Liste gleichsam auch eine Aufwertung. Campact behauptet, alle unterstützten direkt oder indirekt die AfD oder hetzten gegen Minderheiten. Für jeden Kanal wird irgendein Link als Pseudo-Beleg geliefert.

Schauen wir doch mal, wie wir hier gegen Minderheiten hetzen. Ich bin seit Tag 1 bei Tichys Einblick dabei. Als Person mit Migrationshintergrund und mit 90% Muslimen in der Familie, für das Existenzrecht Israels einstehend und als Hete mit in der Schwulencommunity sozialisiert, kann ich sagen: Hier wurde an keinem Tag gegen Minderheiten gehetzt. Es sei denn, dass Rotgrün sich zu solcher schützenswerten Minderheit zählt, das würde diese Bewertung jetzt natürlich ändern.

Das ist allerdings auch die Gruppe, gegen die es sich mit jeder Faser und mit vollem Verve argumentativ vorzugehen gebietet. Und ganz genau darum geht es, wenn Campact und andere rotrotgrüne NGOs zu solchen primitiven Nummern ausholen. Es geht nicht um „Hass und Hetze“. Es geht darum, dass wir auf dem Vormarsch sind und unsere Zeit da ist.

Ihr absoluter Vernichtungswille von Andersdenkenden, um dem Ziel der Errichtung des neuen Sozialismus näherzukommen, muss man sich entschieden in den Weg stellen. Ich wurde von rotgrünen Lehrern in der Schule dermaßen ideologisch, visuell und olfaktorisch gefoltert, dass ich weiß: lieber gehe ich in eine einsame Hütte im Wald, als mich bei diesen Epsilons einzureihen.

Und genau deswegen wird man von denen dann auch so erbittert bekämpft. Alle, die sich nicht einhegen und eincremen lassen mit Moderatorengehältern auf Regierungsevents. Und alle, die rotgrün noch entschieden auf die Steuerkohle umverteilenden Finger schauen.

Die Welt wollte wissen, wer diese ganzen vielen Einstufungen eigentlich vornimmt. Der Autor fragte nach den Kriterien für „rechtsextrem“, „rechtspopulistisch“ und „AfD-nah“. Ebenso wurde sich sich nach einer entsprechenden Liste für linksextreme oder der Linkspartei nahestehende Kanäle erkundigt. Außerdem, ob die Betroffenen vor ihrer öffentlichen Markierung Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen hatten. Campact beantwortete diese Fragen nicht. Die Organisation schickte stattdessen eine allgemeine Erklärung über Rechtsextremismus und die angebliche „Radikalisierungsplattform“ YouTube.

Campact erhebt den Anspruch, Medien wirtschaftlich markieren zu dürfen, verweigert zugleich eine nachvollziehbare Antwort darauf, nach welchem Maßstab die Markierung erfolgt. Das folgt immer wieder dem gleichen Prinzip, alles wird zusammengerührt, einfach ein paar haltlose Behauptungen draufgerotzt und los geht es.

„Ben ungeskriptet“ steht vorläufig nicht auf der Liste. Das Millionenformat hatte Björn Höcke und Ulrich Siegmund ausführlich zu Gast. Campact bezeichnet solche Angebote gegenüber der taz als „grauzonige Formate“. Man habe sich zunächst auf „eindeutige Fälle“ konzentriert. Tichys Einblick gilt demnach wegen eines Siegmund-Interviews als eindeutig boykottwürdig, ein mehrstündiges unmoderiertes Gespräch mit demselben Politiker liegt für Campact offenbar noch in der Grauzone.

Die Kollegen von der Jungen Freiheit hingegen haben es gar nicht auf die Liste geschafft. Keine Schande. Die Kollegen werden online ohnehin schon damit aufgezogen und geshamed. Tja, so schnell ist man Mainstream, liebe Leute, paar mal nicht rechtzeitig geduckt, Ulf Poschardt zweimal zu oft angetanzt, und schon fliegt man aus den Ehrenlisten.

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