„Berlin ist mir ein Herzensanliegen“, sagt Kai Wegner am Freitagnachmittag. Mit blinzelnden Augen, den Tränen nahe, verkündet der Regierende Bürgermeister seinen Rückzug von der Spitzenkandidatur und beendet damit einen quälenden Prozess, eine unwürdige Hängepartie, die er selbst durch sein Beharren in den letzten Tagen zu verantworten hat.
„Wenn nichts mehr geht, / erst viel zu spät, / dann wird man klug“, singt der holländische Künstler Herman van Veen. In der Politik gehört das viel zu lange Festhalten an Ämtern und Posten zu einem eigentümlichen Verständnis von Zähigkeit und vermeintlichem Kampfgeist. Dass Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) als Spitzenkandidat seiner Partei für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 20. September nicht mehr haltbar war, war seit Tagen allen klar. Nur Wegner selbst wollte es nicht wahrhaben.
Der selbstmitleidige Auftritt am Freitagnachmittag war das unwürdige Ende einer Affäre, die am 3. Januar ihren Anfang genommen hatte, als Wegner während eines linksextremen Terroranschlags auf das Stromnetz im Berliner Süden stundenlang nicht erreichbar war und sich in ein Gespinst aus Lügen verstrickte (NIUS berichtete). Wie heftig die Berliner CDU-Kreisvorsitzenden Wegner in den letzten Stunden bearbeitet haben, kann man ermessen bei Sätzen wie: „In der Sache habe ich mir überhaupt nichts vorzuwerfen.“ Lediglich „kommunikative Fehler“ habe er gemacht.
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