Eine junge, blonde Frau geht durch eine europäische Stadt (spezifischer wird es im Film nicht mehr), an der Hand ihren etwa achtjährigen Sohn. Ein schwarzer Mann kommt ihr entgegen, zieht im Vorübergehen ein Messer und schneidet ihr ohne erkennbaren Grund die Kehle durch, während das Kind (und der Zuschauer) ansehen muss, wie die Mutter verblutet. So eröffnet Uwe Boll seinen neuen Film „Citizen Vigilante“, und weiß genau, was er tut: maximale Emotion in der ersten Minute, das Publikum auf Betriebstemperatur, ehe der Protagonist noch auftaucht.
Gleich im Anschluss verkündet eine Nachrichtensprecherin des ebenso generisch wirkenden „World News“ Fernsehsenders, die Migrantengewalt steige, doch nun keime Hoffnung auf, in Gestalt eines rätselhaften Rächers, der eingreift, wo die Justiz versagt. Von Anfang an sind somit zwei Dinge deutlich: Subtilität ist (noch immer) nicht die Waffe der Wahl von Regisseur Uwe Boll. Und sein Film hat eine Botschaft, die im Gegensatz zur generischen Welt, in der er spielt, höchst spezifisch ist.
Den erwähnten Rächer, einen reichen Geschäftsmann namens Sanders, gespielt von Armie Hammer, bekommt in Deutschland niemand regulär zu Gesicht. Die FSK hat dem Film in zwei voneinander unabhängigen Verfahren jede Altersfreigabe verweigert. Das ist zwar kein Verbot im Wortsinn, in der Praxis aber schon, denn ohne Kennzeichnung rührt kein Kino und kein Streamingdienst das Werk an. Acht Prüfer haben befunden, dass diese erste Szene und alles, was ihr folgt, dem deutschen Publikum erspart bleiben muss.
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