Drei verlorene Wahlen, in einem Landtag schon nicht mehr vertreten. Die Beliebtheitswerte von Kanzler Friedrich Merz befinden sich auf historischem Tiefstand, mit jeder neuen Umfrage muss man ein neues Blatt Papier mit einer erweiterten Negativskala ankleben. Die Union befindet sich bundesweit im Absturztrend, momentan befindet sie sich zwischen 17 und 18. Wenn man das Ohr an ein CDU-Logo hält, hört man nicht das Rauschen des Meeres, sondern das Todesröcheln einer ehemaligen Volkspartei. Eine ZDF-Doku zeigte den inneren Zustand dieser Partei. Quasi eine Endoskopie durch alle Organe. Sieht nicht gut aus. Patient sieht tot aus, gibt aber weiter tüchtig Steuerzahlergeld aus. Wie ein 95-Jähriger auf Intensiv, der nur noch von Maschinen am Leben gehalten wird.
Dann wird dieser Zustand nochmal erweitert durch einen ausgeprägten Realitätsverlust nach dem Entzug der Voigtschen Doktors in Thüringen, wo sich im Anschluss die CDU-Granden einen der ihren nochmal in den Himmel loben. Der 95-Jährige auf Intensiv, der nur noch von Maschinen am Leben gehalten wird, riecht. Sehr, sehr streng.
An dem Punkt nun tobt der Streit über die künftige politische Ausrichtung in der orientierungslosen CDU. In Sachsen-Anhalt wurde sie mit 17,2 Prozent regelrecht demontiert. In Berlin verlor sie fast zehn Prozentpunkte, wobei sich hier die Frage stellt, welche Senioren-Wähler im letzten Winter nicht heftig genug gefroren haben, während Kai Wegner beim Tennisspielen war. In Mecklenburg-Vorpommern wurde die CDU regelrecht vaporisiert. Piff. Aschehäufchen. Dort flog sie mit 4,9 Prozent sogar aus dem Landtag. Kurz vor der Präsidiumsklausur sucht die Parteiführung nach einer Erklärung für das politische Desaster. Da kommt Karin Prien und präsentiert ihre Diagnose: Die CDU sei zu konservativ.
Ja, gut. Daran wird’s also gelegen haben.
Bundesfamilien- und Bildungsministerin Prien, seit Jahren eine der zuverlässigsten Stimmen des linken CDU-Flügels, erklärt in einem Reuters-Interview den bisherigen Kurs ihrer Partei für gescheitert. Vor allem den hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein, der eine stärkere konservative Ausrichtung fordert, der die Zeichen der Zeit erkannt hat und zumindest versucht, zu retten, was zu retten ist (Spoiler: nichts) weist sie entschieden zurück. Die CDU sei in den vergangenen Jahren zu konservativ geworden, der Ansatz „CDU pur“ sei gescheitert. Was Prien jetzt vermisst, sind die beliebten gesellschaftspolitischen Themen des linken Milieus. Mehr Gleichstellung, mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Aufmerksamkeit für die anderen Parteiflügel.
Prien hat hierfür natürlich auch zahlreiche passende Mitstreiter: Einer davon ist Dennis Radtke, heute Vorsitzender des CDU-Sozialflügels. Sie wissen, Dennis Radke, Ende 40 mit dem Habitus eines Anfang 70-Jährigen, der sich bei Markus Lanz hinsetze und vom Ende des deutschen Metzgers in Gelsenkirchen berichtete. Aber auch den beschriebenen Halal-Metzger gibt es dort nicht mehr. Jedenfalls… Bereits im Januar 2018 veröffentlichte der damalige Europaabgeordnete mit SPD-Historie ein sieben Seiten langes Papier mit dem unmissverständlichen Titel „Die CDU war nie eine konservative Partei!“. Darin erklärte er die konservative Gründungswurzel der Union zum historischen Mythos. Der Begriff „konservativ“ sei überhaupt erst 1978 in die CDU-Programmatik aufgenommen worden. Auch Angela Merkel nahm Radtke ausdrücklich gegen den Vorwurf in Schutz, das konservative Erbe der Partei verraten zu haben. Im September 2026 meldete sich derselbe Radtke erneut zu Wort. Jetzt erklärte er den Kurs „CDU pur“ von Friedrich Merz für gescheitert und beklagte eine angeblich zu einseitig konservative Ausrichtung. Wo sich diese konservativen Heerscharen unter einem Scheinkonservativen wie Merz versteckt haben sollen, bleibt das große Geheimnis.
UKRAINE-KRIEG: "Wer kann, soll Kiew verlassen" – Vitali Klitschko schockt mit Aussage | LIVESTREAM











