Wer ist Wolfram Weimer – und wenn ja, wie viele?

vor 9 Monaten

Wer ist Wolfram Weimer – und wenn ja, wie viele?
Bildquelle: Tichys Einblick

Wolfram Weimer hat eine große journalistische Karriere hinter sich: als Chefredakteur der Welt, Gründer von Cicero, Kolumnist bei angesehenen Blättern wie Focus, als Event-Manager des Ludwig-Erhard-Gipfels. Er ist als Kulturstaatsminister in der Politik ganz oben angekommen. Und jetzt sieht es so aus, als sei er ein Betrüger, der Subventionen abgreift und sich um Kopf und Kragen redet. Seine Geschäfte entpuppten sich längst als „viel Geltungssucht – und wenig Substanz“, so ein Fachblatt. Staatliche Subventionen schließen die Lücke. Die Frage ist nur, wie lange er noch im Kanzleramt als Vertrauter seines Radsport-Amigos Friedrich Merz brillieren kann.

Wie viele davon gar nichts wussten, ist bislang noch völlig offen; bisher sind es bereits Dutzende. Alice Weidel ist darunter, ein besonders krasser Fall, weil Weimer sie sonst politisch zu beschimpfen pflegt. Fast 100 Artikel soll sie trotzdem für sein Medium geschrieben haben – Weidel spricht schlicht von Text-Diebstahl. Alexander Dobrindt, Innenminister, wird aufgeführt und weiß von nichts. Von Oskar Lafontaine wurden Facebook-Einträge abgekupfert und als „Beitrag“ des European-Autors Oskar Lafontaine ausgegeben, von Hans-Georg Maaßen sind Artikel erschienen, von denen dieser nichts weiß. So wird Vielfalt und Ausgewogenheit simuliert. Bestseller-Autor Frank Vahlefeld ist dabei, Tichys Einblick-Autoren wie Bernd Fischer und der Aufdecker des Skandals, Alexander Wallasch (der früher aber einmal für The European geschrieben hatte). „Für das Portal schreiben mehr als 1000 Autoren aus rund 50 Ländern. Der Autorenkreis in den 15 Jahren reicht von Martin Walser bis Friedrich Merz, von Sahra Wagenknecht bis Christian Lindner, von Dietmar Hopp bis Rolf Mützenich, von Jean-Claude Juncker bis Hans-Werner Sinn,“ protzt Weimer in einer aufgepumpten Selbstdarstellung. Nur leider haben sehr viele Betroffene offenbar gar nichts davon gewusst.

Diese Liste verlängert sich von Stunde zu Stunde. Und weil die Wirklichkeit sich gelegentlich vor Lachen auf die Schenkel klopft, ist auch der bekannte Plagiatsjäger Stefan Weber selbst auch unter den Plagiierten. Das ist in etwa so, wie wenn im Schaufenster eines Veganer-Shops Schweinshaxe nebst Wurstsalat auftauchen, völlig unverfälscht in ihrer Herkunft von der Schlacht-Sau.

Brad Pitt und der Papst höchstpersönlich sind dabei; „Wir wollen Häuser bauen, die auf Nachhaltigkeit und Lebensqualität ausgerichtet sind. Wir wollen Häuser bauen, die klimaneutral und erschwinglich sind. Wir wollen, dass sie Stürmen widerstehen.“ Und: „Ein Plädoyer von Brad Pitt“ steht dabei unter dem Foto des Stars, ganz so, als habe er sich hinabgeneigt von Hollywood in Weimers Tegernseer Bude. Er und andere Größen, sie werden sich vermutlich nicht zu Wort melden, und sollte sich der verstorbene Papst Franziskus melden, wäre es zumindest eine Schlagzeile wert. Viele meldeten sich noch nicht, einfach, weil sie nicht wissen, wer sich mit ihrem Namen schmückt. Davon leben Hochstapler: dass sie mehr vorgeben, als sie sind. Und es niemand merkt. Das ist das Geschäftsmodell von Wolfram Weimer, heute Kulturstaatssekretär und unter anderem auch für das Urheberrecht zuständig. Er kennt sich aus. Allerdings anders, als man das erwartet.

Aber wenn man sich das so anschaut, was Wolfram Weimer da betreibt, dann ist es eine Fälscherwerkstatt. Nicht aber eine im dunklen, mit klebrigen Fingern – klebrig sind die Finger nur beim Abgreifen von Urheberrechten und Abkassieren. Weimar hat eine hochmoderne, digitale Betrugsmaschine eingerichtet. Weltweit werden Artikel eingesammelt, auf die eigene Seite gestellt, Autorenprofile angelegt und Google damit befeuert, auf dass ahnungslose Leser sich in Weimers Honeytrap verirren.

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