Der wahrscheinliche Wahlsieg Flávio Bolsonaros in der Stichwahl am 25. Oktober 2026 wäre kein isoliertes Ereignis, sondern der vorläufige Abschluss einer seit 2023 laufenden Reihe von Wahlniederlagen linker und sozialistisch geprägter Kräfte in Südamerika.
Brasilien steht nach dem ersten Wahlgang vom 4. Oktober 2026 vor einer Stichwahl zwischen Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und Flávio Bolsonaro in drei Wochen. Flávio Bolsonaro, Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, gewann den ersten Wahlgang mit 47,03 Prozent und mehr als 56 Millionen Stimmen. Der amtierende linke Präsident Lula kam auf 45,16 Prozent. Dabei hatten die Umfrageinstitute Lula noch kurz vor der Wahl drei bis sieben Prozentpunkte vorne gesehen.
Bolsonaro ist nun Favorit für die Stichwahl. Sollte er gewinnen, wird Brasilien, die größte Volkswirtschaft und das bevölkerungsreichste Land Südamerikas, einen kommunistischen Tyrannen los, der Bolsonaros Vater wegen „Putschplänen“ für 27 Jahre ins Gefängnis geworfen hat.
Präsident Lula droht die Macht zu verlieren.
Die Rechte hat auch auf legislativer Ebene triumphiert. Lula verlor den Senat, den Kongress, in den Gouverneurswahlen, in den kleinen Bürgermeisterwahlen, und wenn Flavio Bolsonaro in der Stichwahl gewinnt, kann er vier Richter des Obersten Gerichtshofs ernennen. Von 513 Abgeordnetensitzen im Unterhaus wird Bolsonaro 246 besetzen, von 81 Senatssitzen 49. Nie zuvor hatte die Rechte so viel Unterstützung in Brasilien. Die Familie Bolsonaro durfte sich nur über Flávios Erfolg freuen: Javiers Frau Michelle gewann einen Senatssitz, ebenso wie sein Sohn Carlos. Sein Sohn Renan gewann einen Sitz im Kongress.
Wo die Sympathien des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks liegen, wurde am Montagmorgen im Deutschlandfunk deutlich, als die Korrespondentin Anne Herrberg zunächst einen enttäuschten Lula-Anhänger zu Wort kommen ließ: „Ich hatte die Hoffnung, dass Lula im ersten Wahlgang gewinnen könnte. (…) Flavio Bolsonaro würde seinen Vater begnadigen, die Institutionen unterwerfen. Dieses Bolsonaro-Gesindel darf niemals wieder an die Macht kommen.“
Dann folgte ein Ausschnitt aus Lulas Statement. Herrberg erklärte, Brasilien sei „bereits extrem nach rechts gerückt“, und stellte leicht missmutig fest, dass mit dem Land nun das „Trump-Lager“ in Südamerika weiter anwachse. Letzteres ist korrekt: Seit Javier Milei 2023 die Präsidentschaftswahlen im gebeutelten Argentinien deutlich gewann, haben die Linken nacheinander acht Wahlen verloren – Brasilien noch nicht mitgezählt.
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