„Straffällig“: Merz soll Kinderärztin nach RTL-Talk eingeschüchtert haben

vor etwa 1 Stunde

„Straffällig“: Merz soll Kinderärztin nach RTL-Talk eingeschüchtert haben
Bildquelle: Tichys Einblick

Der viel kritisierte Auftritt von Friedrich Merz bei Pinar Atalay bekommt ein Nachspiel, das erheblich schwerer wiegt als der bereits negativ bemerkenswerte Schlagabtausch vor laufenden Kameras. Kinderärztin Maria Bea Merscher behauptet, der Bundeskanzler habe sie nach der Sendung noch einmal zur Rede gestellt und ihr erklärt, ihre Äußerungen seien „straffällig“ gewesen. Ein weiterer Teilnehmer der RTL-Runde bestätigt ihre Schilderung in einem von Merscher verbreiteten Instagram-Video. Eine Anfrage der „Bild“ an das Kanzleramt blieb nach Angaben der Zeitung zunächst unbeantwortet.

Sollte diese Darstellung zutreffen, hat der Bundeskanzler einer Bürgerin nach öffentlicher Kritik an seiner Regierung erklärt, sie habe mit ihren Worten die Grenze zum Strafrecht überschritten. Das ist weit mehr als die nächste ruppige oder bloß dumme Antwort eines notorisch dünnhäutigen Regierungschefs. Friedrich Merz bekleidet das mächtigste politische Amt der Bundesrepublik. Wenn dieser Mann einer Bürgerin nach einer Auseinandersetzung frank und frei im direkten Gegenüber mitteilt, ihre Kritik an ihm sei „straffällig“, hat er eine wichtige Grenze überschritten, die nicht überschritten werden darf.

Merscher hatte Merz in der RTL-Sendung von Pinar Atalay scharf kritisiert. Sie bezeichnete das Sparpaket im Gesundheitswesen als „menschenverachtend“ und warf dem Kanzler vor, seinen Amtseid zu brechen. Merz erklärte bereits vor den Kameras, das gehe über das normale Maß der Kritik hinaus und sei eine persönliche Herabsetzung. Man dachte, er fängt gleich an zu weinen, so markerschüttert und tief angefasst wirkte er. Dann schleuderte er der Kinderärztin im typischen Blindgänger-Modus entgegen, sie sei „Nutznießerin dieses Gesundheitssystems“ und könne ohne dieses System nicht leben. Ohne Worte.

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