Stirbt der Zölibat, dann stirbt die Kirche

vor etwa 4 Stunden

Stirbt der Zölibat, dann stirbt die Kirche
Bildquelle: Tichys Einblick

Wenn in einer Kirche geklatscht wird, dann ist etwas Ungewöhnliches passiert. Stehende Ovationen bekam jüngst Pfarrer Andreas Unfried aus der Pfarrei St. Ursula in Oberursel und Steinbach. Aber nicht für eine Predigt.

Nein, der katholische Geistliche aus Hessen hatte soeben bekanntgegeben, fast 40 Jahre lang ein Lügner gewesen zu sein. Er hat seinen Arbeitgeber belogen, seine Kirche – und seine Gemeinde. Die hat ihm dafür applaudiert.

Damit ist viel gesagt über den katholischen Glauben in Deutschland.

Unfried hat 37 Jahre als Priester gearbeitet. Jetzt schreibt er selbst, dass er seit „vielen Jahren“ schon heimlich mit einer Frau in einer Liebesbeziehung lebt. Nun, mit 63 Jahren, will er heiraten. Deshalb gibt er seine Pfarrei in Oberursel auf. Entsprechend dem Kirchenrecht wird er vom priesterlichen Dienst suspendiert.

Aus der Welt des deutschen Katholizismus hagelt es Glückwünsche und Ergebenheitsadressen für den Herrn Pfarrer. „Ich freue mich für ihn“, heißt es aus seiner Pfarrei. Ein katholischer Amtsbruder äußert „Achtung vor seiner Entscheidung“. Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ lobt seinen „Mut zur Ehrlichkeit“. Selbst das Bistum Limburg äußert nichts als „Respekt“ für seinen Schritt, dankt ihm für sein jahrzehntelanges Wirken und wünscht ansonsten alles Gute.

Auf der Internetseite „katholisch.de“ wird Unfried als guter Seelsorger proträtiert, den eine uneinsichtige Kirche verliert, weil sie am Zölibat festhält: also an der kirchenrechtlichen Verpflichtung katholischer Priester zu dauerhafter Ehelosigkeit und sexueller Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen. Der Zölibat soll ja die ungeteilte Hingabe an Christus, die Kirche und den priesterlichen Dienst stützen.

Auf Unfrieds Lebenslüge und seinen Verrat am Priestertum reagiert der deutsche Katholizismus mit Applaus, Verständnis und moralischem Konfetti. Der Priester erscheint als Opfer, die Institution als Täter. Die heimliche Partnerin wird zur „zweiten Berufung“, der späte Amtsverzicht zum Heldenstück.

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