Die Arbeitslosenzahl in der Bundesrepublik steigt erneut – und das, obwohl die Wirtschaft statistisch betrachtet nominal wächst. Beobachter stellen sich die berechtigte Frage: Wie passt das zusammen?
Im August registrierte die Bundesagentur für Arbeit (BA) 3,061 Millionen Arbeitslose, 54.000 mehr als im Juli und 36.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote kletterte von 6,4 auf 6,5 Prozent. Zwar ist ein Anstieg im August wegen der Sommerpause üblich, doch auch saisonbereinigt lag die Zahl um 4.000 über dem Vormonatsniveau. Auch die breiter gefasste Unterbeschäftigung, die zusätzlich bestimmte Teilnehmer arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen und kurzfristig Arbeitsunfähige erfasst, lag mit 3,674 Millionen um 33.000 über dem Vorjahresniveau.
Am gravierendsten stieg binnen eines Jahres die Zahl der Arbeitslosengeldbezieher. Sie erhöhte sich um 109.000 auf 1,133 Millionen. Dieser Entwicklung muss besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt werden, denn jeder zusätzliche Empfänger kostet die Arbeitslosenversicherung doppelt, weil er Leistungen bezieht und zugleich keine Beiträge mehr einzahlt. Dass die Zahl der Arbeitslosen und die Zahl der Arbeitslosengeldbezieher deutlich voneinander abweichen, liegt vor allem daran, dass Arbeitslosengeld eine Versicherungsleistung für zuvor sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit ausreichender Vorversicherungszeit ist. Viele Arbeitslose beziehen stattdessen Grundsicherung oder haben in gewissen Fällen gar keinen Leistungsanspruch (mehr dazu hier).
Besonders gravierend ist die Lage bei regionaler Betrachtung. Im August wurden in den Ländern bei der Zahl der Arbeitslosen teilweise sogar neue Höchstwerte erreicht. In Hamburg waren im August knapp 97.800 Menschen arbeitslos gemeldet – der höchste Stand seit Mai 2006, also seit mehr als 20 Jahren. Die 97.800 entsprechen einem Anstieg um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote in der Hansestadt stieg auf 8,6 Prozent. Besonders stark legte die Jugendarbeitslosigkeit zu: 8.494 Arbeitslose waren im August jünger als 25 Jahre, 631 beziehungsweise acht Prozent mehr als vor einem Jahr.
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