Auf dem Bremer Marktplatz steht der Roland – eine steinerne Wächterstatue. Frank-Walter Steinmeier fühlt sich davon sicherlich repräsentiert. In Bremen, beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit, stand und sprach der Bundespräsident jedenfalls wie ein steinerner Wächter des Establishments. Fest stehend gegen die Veränderungen, die die Bürger fordern und erwarten.
Es war die letzte Rede von Frank-Walter Steinmeier zum deutschen Nationalfeiertag – in der Hauptstadtpresse wird sie streckenweise als seine beste Rede interpretiert. Ob das für diese Rede konkret spricht – oder einfach gegen Steinmeier-Reden an sich –, soll dahingestellt bleiben. Begeisternd war die Rede des Staatsoberhauptes am Ende mal wieder nicht. Steinmeier schien eher zum abgesperrten Saal der Polit-Prominenz, zu den geladenen Festakt-Gästen in Bremen als zu den Deutschen an sich zu sprechen.
Und für die Geschichtsbücher: Dieser Bundespräsident, der so verzweifelt um gesellschaftliche Wirkmacht bemüht war, ohne sie je zu entfalten, will mit seiner Rede nochmal groß auftrumpfen. Irgendwo zwischen den großen Linien der deutschen Geschichte suchte Steinmeier auch seine eigene.
„Wirkliche Politik kann Hoffnung begründen, Verhältnisse verändern“ – das habe ihm die Erfahrung der Friedlichen Revolution von 1989 gezeigt und das habe ihn motiviert, Politik zu machen, behauptet er. Umso bemerkenswerter, dass die Rede des Bundespräsidenten dann über weite Strecken einem Plädoyer, ja geradezu einer Verdammnispredigt gegen Veränderungen glich.
Streckenweise sprach Steinmeier in einem Duktus über unliebsame Bürger, den auch die SED-Zeitung Neues Deutschland so hätte schreiben können. Und man fragt sich schon, wie er eigentlich Demokratie versteht.
SACHSEN-ANHALT: Tag der Entscheidung! Rausch könnte erster AfD-Landtagspräsident werden | LIVE











