Die Rache des Fußvolks: Programmierer entwickeln virtuelle Chefetage

vor etwa 11 Stunden

Die Rache des Fußvolks: Programmierer entwickeln virtuelle Chefetage
Bildquelle: Tichys Einblick

Es gehört zu den großen Irrtümern unserer Zeit, dass Künstliche Intelligenz zuerst jene Tätigkeiten übernimmt, auf die ohnehin niemand Lust hat: Ablage, Reisekosten, Tabellenpflege, das Kleingedruckte auf Seite 84.

In der Praxis sind unendlich viele sogenannte „Führungskräfte“ schnell auf eine ganz andere Idee gekommen: Warum nicht die Programmierer entlassen, die die KI-Systeme entwickelt haben? Deren Arbeit kann ja die KI übernehmen, mindestens zum Teil. Das senkt den „Headcount“ und freut den Kapitalmarkt. Und „Umstellung auf KI“ klingt in der Präsentation einfach auch cooler als „wir sparen uns die Leute“.

Doch es gehört ebenfalls zu den großen Irrtümern unserer Zeit, dass menschliche Intelligenz nichts mehr ausrichten kann.

Einige Software-Entwickler drehen den Spieß jetzt nämlich einfach mal um. Sie programmieren nicht mehr ihre eigenen Jobs weg – sondern die ihrer Vorgesetzten.

Das fünfköpfige US-Entwicklerteam „Sente Labs“ bietet mit „Open Executive“ eine komplette virtuelle Unternehmensführung zum Herunterladen an – Open Source, das heißt: Jeder darf es installieren, anpassen und mit den eigenen Firmendaten füttern. Der Vorstand kommt künftig nicht mehr mit Chauffeur, sondern per Mausklick.

Der KI-Vorstand präsentiert sich dem Nutzer über eine einheitliche (natürlich KI-erzeugte) Stimme. Dahinter arbeiten acht spezialisierte KI-Agenten: Strategie, Finanzen, Personal, Recht, Betrieb, Marketing, Produktentwicklung und Kommunikation mit dem Aufsichtsrat. Das System analysiert interne Unterlagen, berücksichtigt frühere Entscheidungen und erinnert an offene Aufgaben. Technisch basiert es auf Sprachmodellen von Anthropic, einer lokalen Dokumentendatenbank und einem Gedächtnis, das vergangene Beschlüsse speichert. Der Quellcode liegt öffentlich auf GitHub.

Mit anderen Worten: Der künstliche Vorstand kann sich daran erinnern, warum er vor drei Monaten etwas beschlossen hat. Schon damit verfügt er über eine Fähigkeit, die in vielen Konzernzentralen als disruptive Innovation gelten dürfte.

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