Postcode-Lotterie: Laschet und Leutheusser-Schnarrenberger entscheiden über Millionen für NGOs

vor 9 Tagen

Postcode-Lotterie: Laschet und Leutheusser-Schnarrenberger entscheiden über Millionen für NGOs
Bildquelle: Tichys Einblick

HateAid, Sea-Watch, Greenpeace oder die Deutsche Umwelthilfe verfügen über einen gemeinsamen Geldgeber, dessen Name in der öffentlichen Debatte über die Finanzierung politisch aktiver NGOs erstaunlich selten fällt: die Deutsche Postcode-Lotterie. Die staatlich genehmigte Soziallotterie gehört zu einem internationalen Lotteriekonzern, der seit 1989 nach eigenen Angaben mehr als 15 Milliarden Euro an Organisationen und Projekte ausgeschüttet hat. Hinter dem System steht der niederländische Medienunternehmer Boudewijn Poelmann.

Poelmann hatte zuvor unter anderem das Fundraising für den niederländischen Zweig von Oxfam übernommen. 1983 entwickelte er das Konzept einer Lotterie, die Glücksspiel mit der dauerhaften Finanzierung gemeinnütziger Organisationen verbindet. Dafür entstand die Novamedia Foundation in Amsterdam. Sie ist alleinige Eigentümerin der Postcode Lottery Group. Das Modell wurde von den Niederlanden nach Deutschland, Großbritannien, Norwegen, Schweden und Kanada ausgeweitet. Poelmanns Vermögen wird auf rund 84 Millionen Euro geschätzt.

Die Dimensionen, die die Initiative „Transparente Demokratie“ in ihrer exklusiven Recherche aufdeckt, sind beträchtlich. In Deutschland erzielte die Postcode-Lotterie 2025 einen Umsatz von 302 Millionen Euro. Knapp ein Drittel der Einnahmen wird als Gewinne an die Teilnehmer ausgeschüttet. 30 Prozent gehen an gemeinnützige Organisationen. Damit standen im vergangenen Jahr rund 100 Millionen Euro für Förderungen zur Verfügung. Weltweit zählt das System 14 bis 15 Millionen Teilnehmer beziehungsweise aktive Lose, davon rund eine Million in Deutschland. Ein deutsches Los kostet 12,50 Euro und wird ausschließlich im Abonnement verkauft.

Die Werbung verkauft das Geschäft unter dem sympathischen Versprechen, Glücksspiel und gute Taten miteinander zu verbinden. Zu den deutschen Botschaftern gehören Kai Pflaume, Katarina Witt, Michael Patrick Kelly, Toni Kroos und Peter Maffay. International werben Prominente wie Bill Clinton, George Clooney, Emma Thompson, Rafael Nadal und Roger Federer für die Lotterien. Auch Freilichtmuseen und Nachbarschaftsprojekte dienen als freundliche Schaufenster des Fördermodells.

Die Postcode-Lotterie unterscheidet sich dabei von etablierten deutschen Soziallotterien. Aktion Mensch und Deutsche Fernsehlotterie konzentrieren ihre Förderung weitgehend auf soziale Zwecke. Die Glücksspirale arbeitet ebenfalls mit fest umrissenen gemeinnützigen Bereichen. Die Deutsche Postcode-Lotterie finanziert ausdrücklich große Umweltverbände und politisch tätige NGOs. Über deren Auswahl entscheiden eigene Fördergremien.

Ein gemeinnütziger Verein kann bei der Lotterie einen Förderantrag stellen. Voraussetzung ist regelmäßig eine Mischfinanzierung. Weitere Gelder müssen von Stiftungen, Spendern oder staatlichen Stellen kommen. Die Projekte sollen unter anderem Chancengleichheit, gesellschaftlichen Zusammenhalt oder Umwelt- und Naturschutz fördern.

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