Nachts ohne Marla Svenja in Chemnitz: Wie ein Rechtsextremer ein linksextremes Gesetz ins Wanken bringt

vor 10 Monaten

Nachts ohne Marla Svenja in Chemnitz: Wie ein Rechtsextremer ein linksextremes Gesetz ins Wanken bringt
Bildquelle: NiUS

Es wurde Nacht über Chemnitz, ohne dass der wegen Volksverhetzung verurteilte Rechtsradikale Marla-Svenja Liebich bei der Justizvollzugsanstalt vorstellig wurde, um dort wie angekündigt seine Haft im Frauengefängnis anzutreten. Noch während die angereisten Unterstützer und die Medien warteten, ließ Liebich über einen Livestream, der von seinen Unterstützern auf dem Parkplatz vor der JVA gestartet worden war, bekannt geben, dass er sich ins Ausland abgesetzt habe und nun mit einem internationalen Haftbefehl rechne. Die gleichlautende Erklärung über sein X-Profil übersandten zusätzlich „Liebesgrüße aus Moskau“. Humor hat er ja. Es ließ ihn innerhalb kürzester Zeit zu einer Art Kultfigur seiner Szene avancieren, inklusive Fanshop mit Marla-Svenja-T-Shirts und feministischen Tipps für die Frau von heute.

Seine Fangemeinde war dann auch herbei gepilgert, aber doch nicht so übermäßig, wie man es nach dem großen Trommeln auf X hätte erwarten können. Autos mit sehr unterschiedlichen Kennzeichen von nah und fern säumten die Straße zur JVA, nachdem sie einer ums andere von der Polizei gehindert worden waren, die Zufahrt zum Parkplatz der Haftanstalt zu erreichen. Bei jedem vorfahrenden Auto steigt die Nervosität unter der Pressemeute: Sitzt Liebich hier in dem Auto? Die Zeit schreitet voran, wollte er nicht um 18 Uhr schon da sein, oder doch erst um 21 Uhr? Vans mit abgedunkelten Scheiben, die Polizei leuchtet jedes Auto aus. Wieder nichts. Einmal wird es kurz nervöser als sonst, ein Wagen aus den Niederlanden mit einem Marla-Svenja-Double inklusive Leoparden-Shirt und Hut fährt vor. Er ist nur ein Spaßvogel, aber offensichtlich eingefleischter Fan. Derweil füllen sich die Ränge auf dem Parkplatz, Grüppchen offensichtlicher Unterstützer Liebichs streben zum Parkplatz, eine junge Frau mit kahlrasiertem Schädel, eine andere hat sich als Rotkäppchen verkleidet und auch gleich Rotkäppchen Sekt mitgebracht zur Feier des Tages, den sie aber nicht mit aufs Gelände nehmen darf. Andere haben sich Pizza liefern lassen und harren neben ihrem Bierkasten aus. Schneidige junge Männer mit misstrauischen Blicken. Ein paar junge Männer mit Lederhose und blütenweißen Hemden schwenken große Fahnen mit der Aufschrift „Heimat“, mit der Presse wollen sie nicht reden.

Marla-Fans und Rotkäppchen

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