Die Fraktionsvorsitzende des Rassemblement National in der französischen Nationalversammlung hat am Dienstagabend ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr bekannt gegeben. Im Interview mit dem Fernsehsender TF1 sagte sie, es gebe „kein Szenario mehr, in dem ich 2027 nicht kandidieren könnte“. Die Franzosen sollten nun das letzte Wort über ihre politische Zukunft haben.
Le Pen reagiert damit auf die Verkürzung der Strafen, die ein Gericht aufgrund der Veruntreuung von Mitteln des Europäischen Parlaments verhängt hatte. Ursprünglich sollte sie fünf Jahre lang nicht für öffentliche Ämter antreten dürfen. Diese Strafe wurde nun auf 45 Monate reduziert und zu zwei Dritteln zur Bewährung ausgesetzt. Die verbliebenen 15 Monate sind bereits abgelaufen (Apollo News berichtete).
Mit ihrer Kandidatur verdrängt Le Pen, die Tochter des Rechtsextremisten und Holocaust-Leugners Jean-Marie Le Pen, den Parteivorsitzenden Jordan Bardella wieder in die zweite Reihe. Mit der Ablösung der Familiendynastie an der Parteispitze galt die „Dédiabolisation“ (französisch für Entdämonisierung) der Partei als abgeschlossen. In Umfragen zur Präsidentschaftswahl schneidet der junge Mann in letzter Zeit teils besser ab als die Fraktionsvorsitzende. Er gilt nun als Le Pens designierter Premierminister.
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