Macron: Der europäische Großmeister der theatralischen Selbstinszenierung

vor etwa 2 Monaten

Macron: Der europäische Großmeister der theatralischen Selbstinszenierung
Bildquelle: Tichys Einblick

Ein früherer US-Diplomat, Ivo Daalder, nannte Macron, den Präsidenten Frankreichs, einmal den „Grand Master of Grand Standing“ und lag damit sicher nicht ganz falsch. Jetzt nähert sich die zweite Amtszeit des französischen Jupiter ihrem Ende und Macron hat schon begonnen, seinen Abgang in großem Stil zu inszenieren.

Trump das Memorandum of Understanding mit dem Iran im Versailles unterzeichnen zu lassen war ein solcher Akt. Auch sonst scheint Macron, der in seinem eigenen Land nur noch wenig ausrichten kann, entschlossen, die internationale Bühne zu nutzen, um noch einmal ein großes opernhaftes Spektakel aufzuführen, mit sich selbst in der Hauptrolle als Heldentenor.

Da er in Europa wenig Gegenspieler hat, die ihm Paroli bieten könnten – der schwache deutsche Kanzler gehört sicher nicht dazu –, wird er seine Talente als Staatsschauspieler noch einmal voll zur Geltung bringen können. Hier in Deutschland sind wir natürlich daran gewöhnt, dass in Frankreich Rhetorik und Theatralik eine größere Rolle in der Politik spielen als bei uns, und viele von uns haben Macron zumindest während seiner ersten Amtszeit bewundert, weil er die Kunst der großen barocken Geste so gut beherrscht und weil er, wie unsere Medien meinten, ein so guter Europäer war und ist.

In Frankreich hingegen sahen ihn viele schon früh eher kritisch. Fairerweise muss man sagen, dass das auch durch den massiven Widerwillen der meisten Franzosen gegen jede Reform des Sozialstaates bedingt war, denn eine solche Reform hatte sich Macron während seiner ersten Amtszeit durchaus auf die Fahnen geschrieben.

Am Ende gelang es ihm zwar, einige kleinere Reformen durchzuführen, die der Wirtschaft, der es immerhin heute besser geht als der deutschen, auch ohne Zweifel zugute kamen: Nach Höchstständen um die 10 Prozent nach der Finanzkrise von 2007/08 liegt die Arbeitslosigkeit heute bei rund 7,5 Prozent. Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist etwas gesunken, liegt mit ca. 19 Prozent aber immer noch recht hoch. Der goße Wurf gelang Macron bei der Reform des Sozialstaates und namentlich beim Rentensystem nicht. Da 70 Prozent der Franzosen eine solche Reform freilich immer eisenhart ablehnen werden, jedenfalls solange die EZB und Deutschland die Tragfähigkeit der französischen Staatsschulden garantieren, kann man das Macron persönlich nur begrenzt anlasten.

Festzuhalten bleibt allerdings, dass sein Versuch, durch eine zentristische Bewegung die alte Links-Rechts-Polarisierung Frankreichs zu überwinden, um die politische Lähmung der letzten Jahrzehnte namentlich in Fragen der Sozialpolitik zu beenden, am Ende mehr Schaden angerichtet als Nutzen gebracht hat. Die alten Mitte-Links- und Mitte-Rechts-Parteien wurden durch Macron erfolgreich geschwächt und im Fall der Republikaner (der früheren Gaullisten) praktisch zerstört.

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