Ein sonniger Freitagmittag in Berlin-Mitte, unweit der Landesvertretung Sachsen-Anhalt. Die Autorin dieser Zeilen nutzt ihre Mittagspause für einen Spaziergang, als sich vor ihren Augen eine unwirkliche Szene abspielt: Zwei AfD-Politiker, Julian Adrat und Thorben Schwarz, hängen gemeinsam mit zwei Helfern Wahlplakate an Straßenlaternen auf. Aus den Fenstern umliegender Häuser schallen wiederholt die Rufe „Nazis raus!“ und „Verpisst euch!“. Passanten laufen vorbei und beschimpfen die Gruppe.
Im Gespräch mit den Betroffenen berichten diese, dass kurz zuvor ein Fahrradfahrer vorbeigefahren sei und in den Rollwagen gespuckt habe, mit dem die Wahlkämpfer ihre Plakate transportierten. Thorben Schwarz, der sich in Tempelhof-Schöneberg für die AfD engagiert, weist darauf hin, dass es mit den Anfeindungen besser geworden sei. Vor zehn Jahren hätten sie sich ohne Polizeischutz nicht so bewegen können; sie würden nicht nur Hass, sondern auch positive Resonanz erfahren.
Kein gutes Zeugnis für die Demokratie im Land, wenn derartige Feindseligkeiten als Verbesserung wahrgenommen werden können.
Julian Adrat, der auf Platz 15 der Berliner Landesliste kandidiert, zeigt sich betroffen: „Wenn ein erwachsener Mensch voller Hass seine Rotze in deinen Wagen rotzt, ist das schon eine unangenehme Situation. Man wird vorsichtiger“, sagt er. Auch eine gewisse Resignation wird aus seinen Worten deutlich: „Mich wundert es schon gar nicht mehr. Solche Aktionen sind keine Einzelfälle, sondern der Alltag einer Partei, die legal zur Wahl steht und deren Mitglieder im öffentlichen Raum regelmäßig mit Hass und Gewalt konfrontiert werden.“
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