Am Dienstagmorgen, 1. September, kurz nach halb acht, detonieren in der Lausitz Vorrichtungen unter Höchstspannungsleitungen. Am selben Abend, gegen 20 Uhr, knallt im Rheinland ein Kurzschluss durch das Umspannwerk Bergheim. Fünf Braunkohlekraftwerke von RWE müssen vom Netz gehen. Exakt zur selben Uhrzeit erscheint auf Indymedia ein Text unter dem Namen Çapulcu. Titel: „Solidarität und Gegenangriff“.
Die Polizei spricht von Sabotage. In Brandenburg ermittelt sie wegen Terrorverdachts. In NRW prüft Innenminister Herbert Reul in zwei Richtungen: fremdstaatliche Akteure und Linksextremismus. Die Täter sind wie immer in diesen Fällen unbekannt. Ein Bekennerschreiben gibt es bislang nicht. Der zeitliche Ablauf ist trotzdem auffällig.
Das Umspannwerk Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße verteilt den Strom aus dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde ins Übertragungsnetz von 50Hertz. Am 1. September gegen 7.33 Uhr schaltet sich Block B des Kraftwerks automatisch ab. Mitarbeiter finden massive Schäden an den Leitungen. Sprengstoffspezialisten müssen anrücken.
Unbekannte hatten eine zweistellige Zahl selbstgebauter pyrotechnischer Raketen direkt unter den Leitungen positioniert. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) sagt später im Landtag: Die Täter seien schon mehrere Tage vorher vor Ort gewesen. Der Bau der Vorrichtungen setze technisches Know-how voraus. Es seien keine handelsüblichen Silvesterraketen gewesen.
Zahlreiche Fahrzeuge der Polizei sind im Umfeld der Fundstelle im Einsatz. Nach der Sabotage am Stromnetz in Südbrandenburg sucht die Polizei vor Ort weiter nach Spuren, um die Täter zu ermitteln.
Das Ziel beschreibt Redmann so: leitfähiges Material in die Höchstspannungsleitung bringen, eine Verbindung zum Erdboden herstellen, Kurzschluss und Lichtbogen auslösen. Wo so ein Lichtbogen den Boden trifft, herrscht Lebensgefahr. In zwei Fällen gelang das. Die übrigen Geschosse starteten nicht oder verfehlten ihr Ziel. Redmann: „Wir haben da verdammtes Glück gehabt.“
Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU) und Innenminister Dr. Jan Redmann (CDU) sprechen mit Journalisten in der Nähe des Umspannwerks, an dem Unbekannte raketenähnliche Flugkörper abgefeuert haben sollen. Im Hintergrund das Kraftwerk Jänschwalde.
Die Bild zeigt Fotos der Fundstücke: einen weißen zylindrischen Körper, Kupferdrähte, Klebeband, Plastik. Die Zeitung schreibt von mehr als 20 Raketen und von Zeitzündern. Das Brandenburger Polizeipräsidium teilt am Mittwoch mit, ermittelt werde wegen Störung öffentlicher Betriebe, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel und Bildung einer terroristischen Vereinigung. Das LKA sucht weiter intensiv nach Spuren. Das Gelände bleibt bis auf Weiteres gesperrt.
DEUTSCHLAND: Putin geht bei Rache noch weiter! Russland reagiert auf Sanktionen I WELT STREAM













